Pfarrhaushälterin
zwischen Berufung und Beruf

In der Diözese St. Pölten gibt es 290 Pfarrhaushälterinnen, von denen 60 aktiv sind, 84 sich bereits im Ruhestand befinden und 121 zwar schon in Pension sind, aber noch im Pfarrhof wohnen. Ihre Berufsgemeinschaft begeht heuer ihr 30-jähriges Jubiläum.
Maria Brandstetter ist Pfarrhaushälterin in Pöchlarn

Morgens um sechs, wenn der Wecker rasselt, ist für Maria Brandstetter die Welt noch in Ordnung. Bald wird sie die Hektik des Tages einholen und ihr einen eigenen Rhythmus auferlegen.
Maria Brandstätter ist Pfarrhaushälterin und Pfarrsekretärin in Pöchlarn. "Mit Leidenschaft", wie sie erklärt. Aber "als Pfarrhaushälterin ist man nicht mehr Privatperson". Auf der Straße, beim Einkaufen, bei einem Gespräch, immer wird sie als "Aushängeschild" der Pfarre, der Kirche, gesehen. Sie sieht es als ihre Pflicht, auch dann da zu sein, wenn ein Besucher "nach der Sonntagsmesse oder auch nachts um 10 Uhr noch etwas will". 
Die Aufgaben einer Pfarrhaushälterin sind heute anders als "damals", als noch romantische Heimatdichter das Leben einer Pfarrersköchin hinter den beschaulichen Mauern eines Pfarrhauses schildern konnten.
Die Haushälterin und Pfarrsekretärin ist heute für viele Belange zuständig, sei es für die Ausstellung eines Taufscheins, für ein Meßstipendium, für ein persönliches Problem. Und oft entwickeln sich Gespräche, in denen sie Verständnis und Geduld zeigen muss. 
"Ich kann kaum unerkannt spazierengehen, immer wieder wollen Leute mit mir über kirchliche Angelegenheiten reden oder brauchen etwas aus der Pfarrkanzlei". Maria Brandstetter versteht sich daher - vor allem auch für Fernstehende - als "Brücke zum Pfarrer".
 

Margret Pöchhacker ist Pfarrhaushälterin in Gaming

Margret Pöchhacker ist seit 20 Jahren Pfarrhaushälterin und seit sechs Jahren im Pfarrhof Gaming. Ihr Tag ist voll ausgefüllt, denn sie ist zudem noch Mesnerin, besorgt die Kirchenwäsche und hat bei der derzeitigen Kirchenrenovierung noch allerhand Zusätzliches zu tun. Täglich werden die freiwilligen Helferinnen und Helfer - bis zu einem Dutzend am Tag - mit Essen versorgt. Wenn die Kirchenrenovierung vorbei ist, wartet der Kirchenschmuck auf ihre fleißigen Hände. Als Lektorin, Wortgottesdienst-Leiterin und Kommunionspenderin nimmt sie auch ehrenamtliche Dienste wahr. Wegen ihres Organisationstalentes engagiert sie sich bei den Pfarrfesten und bei weiteren pfarrlichen Veranstaltungen.
Die gebürtige Lunzerin war von 1973 bis 1981 Familienhelferin bei der Caritas und dabei mit der Haushaltsführung unter verschiedenen Bedingungen vertraut. "Dann kam einmal der Wunsch, einen fixen Haushalt zu besorgen". So wurde sie Pfarrhaushälterin in Litschau. "Wenn man am Arbeitsplatz lebt, lässt sich die Arbeitszeit nicht nach Stunden regeln", meint sie. Oft bleibt für den Abend noch ein voller Korb Wäsche zum Bügeln übrig. Dann spürt sie den "Druck der unerledigten Arbeit". Nach dem Hausgehilfinnengesetz sind 210 Stunden in 24 Tagen zu leisten. "Ehrlich gesagt: bei mir sind es mehr", sagt sie. Denn sie sieht ihre Aufgabe auch darin, "einfach da zu sein, wenn jemand kommt und der Pfarrer unterwegs ist". An einem Tag der Woche hat sie Kanzleidienst. "Aber ich stehe auch dann zur Verfügung, wenn die Leute außerhalb der Kanzleistunden kommen. Niemand soll vom Pfarrhaus abgewiesen werden", ist ihre Auffassung.
Für den Pfarrer - und für die Gemeinde - ist sie der "Gute Geist im Haus", der dem Pfarrhaus eine einladende und herzliche Atmosphäre gibt.


Kulinarische Köstlichkeiten aus den Pfarrküchen von Gaming und Pöchlarn 

Mehr über die Arbeit Pfarrhaushälterinnen und köstliche Rezepte aus den Pfarrküchen können Sie im Diözesanjahrbuch 2001 lesen. 
Erhältlich in jeder Pfarre der Diözese St. Pölten und im Behelfsdienst des Pastoralamtes, 3101 St. Pölten, Klostergasse 15, Tel. 02742/398-315, 316; FAX: 02742/398-380, oder über e-mail