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Seite der Betriebsräte

In der Industrieregion Mostviertel gibt es sehr viele engagierte Betriebsräte. Sie setzen sich mit voller Energie für ihre Leute ein. Sie handeln mit dem Chef Betriebsvereinbarungen und Sozialpläne aus, verhindern unsoziale Kündigungen, organisieren Betriebsausflüge und Sportveranstaltungen, fahren zu Gewerkschaftstagungen, bilden sich weiter, haben ein Ohr bei persönlichen Schwierigkeiten ...

Betriebsräte tragen mit ihrem konkreten Einsatz für den Nächsten wesentlich zur Humanisierung der Arbeitswelt bei. die Arbeit der Betriebsräte bekommt damit auch eine religiöse Dimension. 'Was ihr einen meiner geringsten Brüdern und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan'.

Dieses Engagement wird in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen und geschätzt. Diese Homepageseite ist ein Beitrag, das Licht dieses enormen Einsatzes nicht unter einen Scheffel zu stellen sondern zu zeigen. Ich hoffe es gelingt mir, alle drei Monate einen Betriebsrat oder eine Betriebsrätin für ein Interview zu gewinnen.




Interview mit Christian Fußthaler

Wieselburg im Dezember 2009



    Christian Fussthaler, Vorsitzender des Arbeiter-Betriebsrates der Firma Zizala





Für heute, 2 Dez 09, 11 Uhr habe ich mit dem Vorsitzenden des Arbeiterbetriebsrates der Firma Zizala, einen Interviewtermin vereinbart – und diesmal zu einem sehr heiklen Thema: Einstellungen der Arbeiter zu Ausländer und Ausländerinnen. Zwei Betriebsratskollegen sind auch da. Mitunter entsteht eine rege Diskussion.

Meine erste Frage versucht ziemlich direkt den Punkt zu treffen:
„Wie äußert sich die Einstellung zu den Ausländern?“
Christian Fußthaler: „Viele haben eine gewisse Angst oder Unwohlgefühl im Bezug auf Ausländer und andere Kulturen.“
„Für sie ist es oft fast unheimlich, wenn auf der Straße eine ganze Gruppe beisammen steht, die man nicht versteht, oder wenn sie mit vielen ausländischen Nachbarn leben müssen“
„Sie machen sich zum Beispiel Sorgen um ihre Kinder, wenn im Hof einer Wohnhausanlage fast nur Ausländerkinder sind, und kein deutsches Wort zu hören ist.“
„Viele sehen in Ausländern Schmarotzer die unser Sozialsystem ausnutzen, auch wenn das statistisch widerlegt ist“
„In der Firma ist es für jene, die die Arbeit einteilen, hin und wieder schwierig, weil die Anweisungen nicht verstanden werden.“
„Auch als Betriebsrat ist es oft schwer, wenn ein ausländischer Kollege kommt, sein Anliegen rein sprachlich zu verstehen.“

Christian unterbricht kurz:
„Was mich persönlich mehr beschäftigt, ist die allgemeine Ausländerfeindlichkeit in der Gesellschaft“
und ein Kollege ergänzt: „Das hängt auch damit zusammen, dass in den Medien, wenn ein Ausländer etwas anstellt - egal ob das ein bereits eingebürgerter und somit österreichischer Staatsbürger ist – ein Asylwerber, ein EU-Bürger, ein Schwarzafrikaner, eine Türke, ein Mitglied einer tschetschenischen Diebesbande ist, - alle werden als „Ausländer“ bezeichnet.

Christian: „ Oft hört man, die wollen sich ja gar nicht integrieren.“
„Die wollen eine eigene Gesellschaft bilden.“ BR-Kollegen: „Viele sehen die Zuwanderung als 3. Türkenkrieg.“
„Viele sagen, der, mit dem ich arbeite, ist eh in Ordnung – aber es san vü z`vü.“
„Und Familien-Nachzug regt viele auf.“
„Die heißeste Geschichte war im vorigen Jahr ein Gerücht, das herumging und zu folgenden Äußerungen führte: Was, bei uns gibt es keine Weihnachtsfeier sondern nur eine Jahresabschlussfeier, nur weil ma a paar Türkn habm!“
„Es wird auch oft über Probleme gesprochen die gar nicht selber erlebt wurden!“

Christian: „Bezüglich Äußerungen muss ich richtig stellen, nicht alle denken so, das wäre ein falsches Bild. Das sind jetzt schon Extremmeinungen, die mir im Alltag unterkommen, und nicht speziell in der Arbeit. Meist fällt es aber schwer auf solche Meinungen die richtigen Antworten zu finden.
Aber auch wenn das nur Einzelmeinungen sind, zur Zeit wird gerne auf die Schweiz gezeigt, wegen der Minerettabstimmung. Ich denke, dass eine solche Abstimmung bei uns nicht viel anders ausschauen würde!“

Die Äußerungen hören und Ernstnehmen sind das eine, nach Lösungen zu suchen das andere, also frage ich nach Lösungsansätzen.
Christian: „Das Wichtigste ist, dass die Ausländer die deutsche Sprache lernen (lernen können). Das fängt bei den Kindern im Kindergarten an.“
„Und es soll auch für Erwachsene attraktive Angebote geben“ ergänze ich. Wäre das nicht eine Idee, ein Deutschkurs vom Betriebsrat, vielleicht auch überbetrieblich, zu initiieren?“
Christian: „Ja. Schwierig dabei ist allerdings, dass viele Arbeiter verschiedener Sprachen da sind.“
„Der zweite Gedanke ist, den ich aus der Sommerakademie in Gaming mitgenommen habe, „Integration“ richtig zu verstehen. Integration ist nicht nur einseitig: Wir bestimmen – und die anderen müssen sich anpassen. Ich denke, auch wir müssen lernen, wie wir besser miteinander umgehen können.“

Anschließend diskutieren wir den dritten wichtigen Gedanken: Wie man Ausländer besser einbinden könnte, z.B. ausländische Ansprechpartner in/für die Gemeinden oder auch für den Betriebsrat, wo es schon gute Erfahrungen gibt.

Zum Schluß frage ich noch: „Siehst du einen Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Ablehnung“?
Chistian: „Besonders in der Krise, bei Kündigungen von Kollegen, meinten Einige: ‚Warum hauns uns aussi und net de!‘“
Ich wende ein: „Wäre da nicht der zentrale Lösungsansatz einer generellen Arbeitszeit-Verkürzung (entweder pro Woche durch Verkürzung der Wochenarbeitszeit, pro Jahr durch Verlängerung des Urlaubsanspruches, pro Lebensarbeitszeit durch Auszeiten, Sabbaticals, Bildungsurlaube, früheres Pensionsantrittsalters) der Arbeitszeit?“
BR-Kollege: „Es wäre schon viel gewonnen, wenn alleine die Überstunden abgebaut würden. (würde rein rechnerisch ca. 180.000 Vollzeitarbeitsplätze sein!). Deshalb gehören die Überstunden verteuert. Momentan geht man aber genau den umgekehrten Weg, man will sie weiter verbilligen. Und das würde ich mir auch von der Kirche erwarten, dass sie sich für eine Verteuerung der Überstunden ausspricht.“

Wie wahr. Arbeitszeit-Verkürzung durch Abbau der Überstunden heißt:
Gerechtere (ist gleichmäßigere Aufteilung) Verteilung der Arbeit auf alle, friedlicheres Zusammenleben, mehr Zeit für Familie und Freunde, mehr Zeit für gesellschaftliches Engagement, ....

Christian, ich danke dir für das Interview und deinen Mut. (Max Bramberger)
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