Berichte - Archiv   ab Mrz 2003



Verzeichnis
1 Bischof Jaques Gaillot am 31.März 2003 in St.Stephan
2 Demo des ÖGB gegen Pensionsreform am 13. Mai 2003 in Wien
3 Barbarafeier am 7. Dez. 2003 in Herzogenburg
4 Frau Univ Prof Dr.Luise Gubitzer am 21 Jän.2004 im Betriebsseminar Linz: Der Mensch ist doch das letzte.
5 Mostviertler Gespräche am 11.Feb.2004 in Amstetten, Gh Gürtler: Christian Felber, Pvivatisierung. Wirtschaftliche Notwendigkeit oder Sozialer Ausverkauf?
6 Gute Arbeit Schlussveranstaltung am 25.Apr.2004 in St.Pölten, Kantine der Fa Voith.
7 Sommerakademie in Gaming, August 2004
8 Besuch bei Betriebsseelsorge in Stuttgart, 2005
9 Bezirkskonferenz der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrungsmittel
10 Mostviertler Gespräche. 2006, 19.Jan 2006, Gasthaus Gürtler,

1) 31. März 2003, Amstetten: Vortragsabend von Bischof Jaques Gaillot im Pfarrsaal St. Stephan

Im Pfarrsaal von St. Stephan in Amstetten hielt am 31. März 2003 der weltbekannte französische Bischof Jaques Gaillot auf Einladung der ACUS einen Vortrag über christliche Politik. Seine These war, dass es eigentlich keine christliche Politik gibt, dass es aber Christen auf dem ganzen Schachbrett der Politik gibt. Er sagte, dass das Evangelium den Politikern Fragen stellt.

Bischof Gaillot hat sich besonders auf die Seligpreisungen der Bergpredigt bezogen, die nicht nur Christen vorbehalten sind sondern die eine Herausforderung für alle Menschen sind - besonders auch jener, die sich politischen engagieren.

Jetzt im Irakkrieg hat er besonders hingewiesen auf die Seligpreisung für die Friedensstifter. Wer im Frieden mit sich selbst lebt, der kann auch den Frieden an andere weitergeben. Der Friede ist unseren Händen anvertraut. Er liegt in unser aller Verantwortung.

Die Globalisierung des Friedens ist ein besonderes Zeichen unserer Zeit. Kanada, als Nachbar der USA, nimmt deshalb nicht am Irakkrieg teil, weil es in den Städten riesige Friedensdemonstrationen gegeben hat. Auch in Frankreich bestand die Gefahr, dass Präsident Chirac seine Antikriegshaltung aufgibt. Deshalb schrieben die Demonstranten auf ihren Transparenten: “Jaques halte durch”.

Gewalt muss in den Dienst des Rechts gestellt werden. Im Irakkrieg hat leider die Gewalt den Vorrang gehabt. Es gibt aber jetzt eine Friedenssolidarität auf der ganzen Welt und diese Solidarität wird immer stärker. Das Evangelium lässt keinen Fatalismus und keine Resignation zu.

Gaillot unterscheidet drei Stufen des menschlichen Zusammenlebens. Die unterste Stufe ist die der Gewalt, die zweite die Ebene des Rechts und die dritte die Ebene der Liebe. Das Mindestmaß für ein erträgliches Zusammen- und Überlebenleben gewährleisten Rechte und Gesetze. Sie schützen die Schwächeren. Die Logik des Evangeliums aber ist die Liebe. Wir brauchen Gesten der Großzügigkeit, Gesten der Versöhnung der Verzeihung. Ohne gelebte Liebe und ohne Bereitschaft zum Teilen wird das Leben auf dieser Welt unerträglich.

Die Seligpreisungen der Bergpredigt sind ein Programm für das Leben jedes einzelnen und auch ein Programm für das politische Handeln. (Franz Sieder 2.April 2003, leicht redigiert von Max Bramberger)


2) 13.Mai 2003 in Wien: Demo des ÖGB gegen die geplante Pensionsreform

Ein Hauch von Solidarität bereits auf der Busfahrt nach Wien, wenn Mitfahrende aus anderen ÖGB Bussen freundlich winken.
Beeindruckend die Ringstraße, wenn tausende Frauen und Männer, Väter, Mütter, ruhige Vorbilder ihrer Kinder, disziplinierte ArbeiterInnen und Angestellte, mit funkelnden Augen, roten Wangen, aus völlig nassen Hosen, Jacken und Kapuzen mit Pfeiffen einen Höllenlärm machen.
Beeindruckend am Heldenplatz, wenn diese fröstelnd, durchnässt, den Reden lauschen.
Beeindruckend, wenn sich ArbeitnehmerInnen in einer fremden Stadt unter Touristen und vornehmen Leuten in Anzügen und Krawatten, den Weg durch die Stadt bahnend, mit den roten Plastikjacken als Mitglieder und Sympathisanten des Gewerkschaftesbundes deklarieren.
Für mich: Ein ergreifendes Zeichen von verantwortungsvollen Menschen, die für die Gewerkschaftsbewegung, für die Sozialpartnerschaft und für ein solidarisch gesinntes und geführtes Land auftreten. (Max Bramberger)


3) 7. Dezember 2003: Barbarafeier in Herzogenburg

Wie jedes Jahr gestaltete die Betriebsseelsorge Unteres Traisental im Augustinussaal des Stiftes Herzogenburg die Barbarafeier mit dem Motto: 'abgespeckt - und ausgeschlachtet'. Höhepunkte der besinnlichen und kritischen Feier waren ohne Zweifel die szenischen Darstellungen zu aktuellen sozialpolitischen Themen mit den Titeln: 'Der Kampf um die Kunde', 'Der Koch und sein Rezept', 'Servierkunst'. Der Chor 'oropax' und ein Klarinettentrio umrahmten diese schöne Feier mit Arbeiterliedern und stimmungsvollen Klängen. (Max Bramberger)


4) 21. Jan. 2004, Betriebsseminar Linz: Frau Univ.Prof.Dr.Luise GUBITZER zum Thema "Der Mensch ist doch das Letzte".

"Der Mensch ist doch das Letzte" lautetete der Titel des Vortrages von Frau Univ.Prof.Dr.Luise Gubitzer. Sie hielt diesen Vortrag bei der Tagung der Betriebsseelsorger Österreichs Ende Jänner 2004 in Linz . Sie zeichnete die ökonomischen Zusammenhänge nach und sparte nicht mit Kritik.

Ich bin dankbar für ihren Mut. Die Voraussetzung für ihren Mut, so meinte sie, sei nicht ihr Naturell sondern weil sie pragmatisiert ist. Jetzt weiß ich, warum aktuelle Regierungen für die Aufhebung der Pragmatisierung sind.

Der Mensch ist doch das Letzte
In den letzten Jahrzehnten fand eine Umkehrung der ökonomischen Prioritäten statt. Die Reihenfolge war: Zuerst der Arbeitsmarkt, dann der Gütermarkt, dann der Finanzmarkt.
Heute ist die Reihenfolge: Zuerst der Finanzmarkt, dann der Gütermarkt, und zuletzt der Arbeitsmarkt. Am Finanzmarkt entscheidet sich heute alles oder genauer: Die an diesen Börsen kaufenden und verkaufenden Angestellten von privater Firmen, Versicherungsfonds, etc. entscheiden das ökonomische Geschehen auf diesem Planeten. Diese Akteure sehen sich selbst als "Player", als "Spieler", als "Krieger". Sie entscheiden nach Stimmung und entscheiden "aus dem Bauch heraus". Allein der erwartete Gewinn für den Arbeitgeber zählt.

Der Mensch ist doch das Letzte.
Das dramatische ist, dass diese Umkehrung der Werte auf alle Lebensbereiche ausgedehnt werden soll. Aus dem Bürger eines Staates soll der Kunde werden. Was bedeutet diese schmeichelnd klingende Formulierung eigentlich? Wo ist der Unterschied? Der Unterschied ist: Der Bürger hat Rechte kraft seines Daseins in einem Land.
Der Kunde hat nur Rechte kraft seiner Finanzen. Arme kommen in dieser Welt von Kunden nicht vor!

Der Mensch ist doch das Letzte.
Aus dem Staat soll ein Unternehmen werden, das Dienstleistungen und Güter anbietet und mit guter Marketingstrategie in der Welt anpreist. Was bedeutet diese schmeichelnde Aussage? Sie bedeutet: Aus den Bürgern mit Rechten und Pflichten werden Untergebene, Angestellte mit betrieblicher Schweigepflicht. Denn jede Kritik, Diskussion könnte ja dem Renomee und damit dem Wert des Unternehmens "Österreich" schaden. Wer öffentlich diskutiert fällt unter betriebssschädigendes Verhalten. Er wird Schadenersatz leisten müssen.
Öffentliche Diskussion ist aber ein Grundbaustein jeder Demokratie. Fazit: Dieses Ausbreitung der privaten Betriebslogik auf öffentliche Bereiche ist mit Demokratie unvereinbar.

Der Mensch ist das Erste.
Nebenbei bemerkt: Diese neue Logik ist auch mit der Katholischen Soziallehre(KSL) und mit dem neuen Sozialwort der Christlichen Kirchen Österreichs unvereinbar. Kern der KSL ist: Der Mensch ist das Erste. Er ist Mittelpunkt, Ziel und Weg alles Wirtschaftens!

Der Mensch ist das Erste.
Luise Gubitzer fordert, dass der Mensch der Erste zu sein hat und Demokratie und Meinungsfreiheit an erster Stelle stehen müssen. Deshalb "brauchen wir eine Grundsicherung" für alle. Weiters "brauchen wir eine öffentliche Diskussion darüber", dass der Staat für seinen Dienst an den Menschen einfach Mittel, das heißt Steuern braucht.

Zum Schluss fordert Frau Dr. Gubitzer alle in den sogenannten Non-Profit-Einrichtungen (wie z.B. Soziale Einrichtungen, Religionsgemeinschaften,...) tätigen Menschen auf, selbstbewusster und besser organisierter aufzutreten. Sie sind momentan die einzigen, die ein bedeutenderes Gegengewicht zu diesem Profitdenken erzeugen und vermitteln können. Sie sind die einzigen, die den Menschen wieder an die erste Stelle rücken können. (Max Bramberger)


5) 11.Feb.2004, Amstetten: Mostviertler Gespräche der KAB der Region Mostviertel.Privatisierung - wirtschaftliche Notwendigkeit oder sozialer Ausverkauf
War das Thema der diesjährigen Mostviertler Gespräche am 11.2. 2004 im Gasthaus Gürtler in Amstetten. Referat Privatisierung KurzfassungDie Veranstaltung wurde heuer erstmals in Kooperation mit dem ÖGB-Amstetten durchgeführt. Die große Zahl von TeilnehmerInnen (65) zeigt, das dies ein richtiger Entschluß war. Die TeilnehmerInnen aus Gewerkschaft, Kammer, Politik und die zahlreichen Aktivisten und Sympathisanten der KAB sprachen alle von einer gelungenen Veranstaltung der KAB im Mostviertel. (Erwin Burghofer)

6) von Am Samstag, den 24.April 2004 fand in der Werkskantine der Firma VOITH die Abschlussveranstaltung der Gute Arbeit Kampagne statt.
Sie wurde sehr gut vorbereitet und durchgeführt von Uschi Prinz (KAJ), von Erwin Burghofer(KAJ) und von Sepp Gruber (Betriebsseelsorge). Für gute Stimmung sorgten alle Anwesende und Reinhard Gratzer mit Gitarre und Gesang. Die inhaltliche Auseinandersetzung regten Karl Immervoll(Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel) und Gerhard Havlik(AK-St.Pölten). Das Thema auf den Punkt brachte das Kabarett aus Herzogenburg. Die Podiumskiskussion in Fahrt brachte Elmar Burghofer. Eine Unmenge aussagekräftiger Schülerzeichnungen zum Thema 'Kinder zeichnen den Arbeitsplatz ihrer Eltern' baute Sepp Gruber auf und nahm die Preisverleihung vor. Den Appetit stillte die Crew der Werkskantine mit einem sehr guten Buffet. Ich denke, es war eine sehr gelungene, harmonische Veranstaltung. (Max Bramberger)

Programm

14.00 Begrüßung und Musik (Gratzer Reinhard+Band)

14.30 Interviews-Präsentation (Lehrlinge, Arbeitslose, ..)

14.50 Sketch BS-Herzogenburg

15.00 Referat von Karl Immervoll

15.20 Musik

15.30 Podiumsdiskussion: Betriebsrat VOITH, Vorstand VOITH, Vertreter der ARbeiterkammer und der Betriebsseelsorge

16.30 Musik

16.40 Präsentation der Schülerzeichnungen

17.15 Buffet
18.00 Ende


7 Sommerakademie in Gaming, August 2004
Träger sind: AK, ÖGB, KAB und Betriebsseelsorge




8 Besuch der Betriebsseelsorge Stuttgart, November 2004

Im Rahmen des sogenannten Drei-Ländertreffen Österreich-Deutschland-Frankreich im November 2004 besuchten wir (Kar Immervoll, Max Bramberger) auch die Betriebsseelsorge Stuttgart.
Hier mein Eindruck und Recherche:



Das Betriebsseelsorgezentrum gibt es seit 1983. Es liegt mitten in der Stadt. Eine gemietete und umgebaute Wohnung dient als Versammlungsraum, Büro, Streikzentrale, Feierraum, Ideenbörse für Bürgerinitiativen, Anlaufstelle für Arbeitslose, Produktionsstätte für Publikationen, Hoffnungsort für gemobbte und entnervte ArbeitnehmerInnen, usw. Es unterscheidet sich kaum von einem ganz normalen Betriebsseelsorgezentrum bei uns in Österreich.

Seit Beginn gibt es zwei Zielgruppen der Betriebsseelsorgetätigkeit: Arbeitslose und Arbeitnehmer.

Daraus entstanden viele Bürgerinitiativen und Hilfsangebote. Z.B 1996 das Antimobbingtelefon mit 9 ehrenamtlichen Mitarbeitern eingerichtet.

Aus dem wöchentlichen Mittwoch-Treffpunkt für Arbeitslose entstand die
Initiative W.U.T.: Übersetzt heißt das Workers in ungeschützten Tätigkeiten.







Seit Beginn leitet Guido Lorenz mit einem Team dieses Zentrum. Um am Ball zu bleiben macht er alle 2 Jahre einen ein bis zweimonatigen Arbeitseinsatz in einem Stuttgarter Betrieb, die nicht alle konfliktfrei blieben. Weil er z.B. 1991 die Vewicklung des Mercedes-Konzerns mit dem ersten Golfkrieg auf das Tablet brachte, wurde er gefeuert.


  





Legendär ist die Methode Kreisverkehr: Um auf Missstände aufmerksam zu machen,legte man mit einem Lastwagen und ein paar Autos, die ständig im Kreis fuhren, ein Stuttgarter Stadtviertel lahm. Flugzettelausteiler übernahmen die nicht einfache Auflärungsarbeit bei den hupenden und wartenden Autofahrern.

Kein Jahr vergeht ohne größere öffentlichkeitswirksame Aktion. Das Lieblingsbeispiel im Jahr 2003:
1 Zur Sitation. Die Firma Fox kündigte kurz vor Weihnachten an, 160 Leute nach Weihnachten zu entlassen.
2 Drei Tage dauernder Kreativshop, Nachdenken, Was tun? von Betriebsseelsorgern, Betriebsräte, Gewerkschafter und Bürgerinitiativlern
3 Die ausgehegte Strategie:
I Die regionalen Käseblätter gewinnen
II Der Betriebsrat erzeugt Druck durch 3 Tage Betriebsversammlungen
III Der Geschäftsleitung immer Gesprächsbereitschaft signalisieren

4 Der heftigste, angkündigte, Schritt war: Mit 100 000 Emails innerhalb kürzester Zeit wurden für 8 h lang die Server des Konzerns lahm gelegt.

5 Der Erfolg konnte sich sehen lassen: Bei der folgenden Aufsichtsratssitzung in Hamburg wurde der Vorschlag des Betriebsrates angenommen.

- Grundsatz Eins beim Widerstand: Immer den nächsten Schritt ankündigen, der immer heftiger sein muss als der vorhergehende
- Grundsatz Zwei beim Widerstand: Vorbereitung und Durchführung müssen Spass machen.
- Grundsatz Numero Drei: Wir müssen immer in die Zeitung kommen.

Die Rolle der Betriebsseelsorge bei dieser Auseinandersetzung: teilnehmen, begleiten, stärken
Das ist alles.

Zusammengefasst: Strategie, Lust und Öffentlichkeit. Ohne diese drei ist alles nichts.
Salopp formuliert: Widerstand ist geil!


9) Bezirkskonferenz der Gewerkschaft Metall - Textil, Amstetten 14 Januar 2006

Die alle zwei Jahre stattfindende Bezirkskonferenz der Gewerkschaft Metall - Textil, kurz GMT, stand heuer unter dem Motto "Starke Betriebsräte - wichtiger denn je". Zirka 200 Betriebsräte und Funktionäre des Bezirkes Amstetten sind der Einladung von Thomas Gundacker und Regina Öllinger, die alles hervorragend organisiert hatten, gefolgt. Sachlich erörterte der Erich Foglar, Zentralsekretär der GMT, aktuelle Themen. Zwei wichtige Anträge, die sowohl im Interesse der Arbeitnehmer als auch im Interesse der von ÖVP-Seite ständig hervorgehobenen Klein- und Mittelbetriebe sein müssten wurden eingebracht und befürwortet: Antrag 1: Wiedereinführung des Entgeltfortzahlungsfonds,
Antrag 2: Schaffung von kollektivvertraglichen Vorruhestandsmodellen.





Konzentriertes Reden und aufmerksames Zuhören sind die stärken dieser gewerkschaftlichen Veranstaltung.






10) Mostviertler Gespräche der KAB-Amstetten 19 Jan 2006 im Gasthaus Gürtler, Amstetten,zum Thema: "Flexibilisierung"

 
Auch heuer wieder fanden die Mostviertlergespräche im großen Saal des Hotel/Gasthauses Gürtler, Amstetten statt. Zirka 40 interessierte KABler- und KABlerinnen, Gewerkschafter, Pfarrgemeinderäte, Betriebsräte und Sympathisanten haben sich zur Bildungs- und Diskussionsveranstaltung zum Thema: "Zauberwort Flexibilisierung" eingefunden.
Erwin Burghofer, Zentralsekretär der KAB - St. Pölten, fungiert in bewährter Manier als Moderator und versucht -je nach Bedarf- die Diskussion anzukurbeln oder zu besänftigen.
 
Der Referent Mag. Bernhard ACHITZ, Leiter des Sozialpolitischen Referates des ÖGB, müht sich redlich und mit viel Detailwissen die - zugegeben - ziemlich schwierige Materie uns Zuhörern zu vermitteln. Als Ko-Referent stellt Karl Ebner das Positionspapier der KAB zur Flexibilisierung vor.
 
Martin Hönickl, Betriebsratsvorsitzender der Arbeiter bei bene: "Das Traumziel der Arbeitgeber bei der Flexibilisierung ist, 'wir wollen gar nicht, dass ihr mehr als 1800 Stunden pro Jahr arbeitet, sondern wir wollen nur, dass WIR bestimmen können, WANN Du diese Stunden arbeitest'."
Eva-Maria Burghofer, Krankenpflegerin, berichtet: Es sind fast nur Teilzeitkräfte angestellt. Der Arbeitgeber erwartet, dass zum Beispiel Arztbesuche in der Freizeit gemacht werden."

 

Weitere Auszüg aus den Wortmeldungen:
Achitz: "Die Flexibilität, die das Arbeitszeitgesetz und die Kollektivverträgevorgeben, wird vom Arbeitgeber kaum ausgenützt."
Thomas Gundacker, Gewerkschaftssekretär für Metall, Textil und Landarbeiter weiß von Lastwagenfahrern, die bis zu 400 Stunden (anstatt der ca 180 h erlaubten) pro Monat fahren (müssen)."
Robert Schuster, Arbeiterkammer Amstetten, wartet mit einem revolutionären Vorstoß auf: "Warum senken wir die Arbeitszeit nicht auf ein Fünftel bei vollem Lohnausgleich?".
Endlich einmal eine Position, mit der man gegen die unseriösen Angebote der Unternehmensseite verhandeln kann, meine ich. Außerdem befindet er sich damit in guter Gesellschaft zu christlichen Arbeitszeittheoretikern. Sachlicher Hintergrund dieser auf den ersten Blick überzogen scheinender Position ist: In den letzten Jahrzehnten hat sich die Produktivität verzigfacht - Bei gleichbleibendem Wohlstand wäre also die Arbeitszeit genau um denselben Faktor verkürzbar.
Achitz: Zentrale Forderung der Gewerkschaft ist, Überstunden müssten für Teilzeitkräfte genauso geregelt sein wie für VollzeitArbenehmerInnen.

Mein Resumee: Arbeitszeitgesetz, Gewerkschaften und Kollektivverträge und Arbeitnehmer sind erstaunlich flexibel;
Viele Unternehmen sind erstaunlich unflexibel beim Ausnützen der Rahmenbedingungen.
Viele Unternehmen sind erstaunlich kreativ beim Umgehen der Regelungen.
Wenn ich mich in gemütlicher Atmosphäre über aktuelle Themen informieren möchte, gehe ich nächstes Jahr wieder zu den Mostviertler Gesprächen. (Max Bramberger)



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