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Die Lange Nacht zu später Stunde

Bischöfe, Bürgermeister und der heilige Pölten

Bewegung zeigt sich zu später Stunde auf den Wegen zwischen den Kirchen der Landeshauptstadt St. Pölten. Theologisches und Künstlerisches, Politisches und Humorvolles gab es an den zahlreichen Schauplätzen der „Langen Nacht der Kirchen“ zu erleben. Bischof Küng und Bürgermeister Stadler stellten sich der Diskussion, Weihbischof Leichtfried führte in die Bedeutung des Wortes Gottes ein und Ordinariatskanzler Auer stellte die Frage: „Wer kennt den heiligen Pölten?“
 

 

 

 

In der Kapelle des Priesterseminars begaben sich etwa 60 Besucher auf eine geistliche Kirchenführung. Weihbischof Anton Leichtfried stellte den Ambo als besonderen Ort des Wortes Gottes vor, der gerade in der heutigen Zeit „voller belangloser Worte in Nachrichten und Internet“ eine ganz besondere Bedeutung habe. „Hier und nur hier soll das Wort Gottes zum Tragen kommen“, stellte er die vorrangige Bedeutung dieses Wortes, das „immer in Menschenwort gebettet ist“, vor.

Im Sommerrefektorium stellte sich Bischof Klaus Küng den Anfragen der Menschen. Vielfach richten die Besucher an den Bischof Fragen, die ihn als Theologe und Mediziner betrafen. Die Bedeutung der Hochschule in der Diözese kam ebenso zur Sprache wie die Feststellung des Todes nach heutigen theologischen und medizinischen Erkenntnissen oder die tieferen Hintergründe des biblischen Tötungsverbotes oder die Patientenverfügung.
In der Pfarre Viehofen diskutierten zu später Stunde Bürgermeister Matthias Stadler mit dem Direktor der pastoralen Dienste Sepp Winklmayr, Betriebsseelsorger Sepp Gruber und Tanja Muckenhuber vom Linzer Kircheninfo-Center über die Bedeutung des freien Sonntags für die Familien.

Von Bach bis Jazz

Unter den zahlreichen musikalischen Programmen war „Von Bach bis Jazz“ in der Leopoldskapelle des NÖ Landhauses ein besonderer Höhepunkt. Mag. Johannes Zimmel vom Konservatorium für Kirchenmusik präsentierte einen Streifzug durch die Orgelliteratur von fünf Jahrhunderten. Ausführende waren die mehrheitlich sehr jungen Studierenden der Orgelklasse, deren Leistung vom Publikum in der vollen Landhauskapelle mit viel Applaus gewürdigt wurde.

Kabarett mit Hintergrund

Einen Ohrenschmaus ganz anderer Art hatte Pfarrer Robert Freihsl in der Altkatholischen Kirche parat: ein Kirchenkabarett, in dem er die „Lieb-Kultur“ der „Kinder Gottes“ genauer auf Korn nahm und so manche Hinter- und Abgründe aufdeckte. Vor allem aber fand er heitere Worte über die „individualisierte Auswahlreligiosität“, die er weithin unter den Christen feststellen könne. Ein bisschen Schamanismus, ein bisschen Meditation und etwas Brauchtum – so zimmern sich die Menschen heute vielfach ihre Religion zusammen. Auch das Verhalten gegenüber Menschen aus anderen Religionen und Kulturen versuchte er mit lockeren Worten zu umschreiben, ehe er mit ernsten Worten schloss: „Versuchen wir, mehr Augenmaß zu bewahren und uns gegenseitig erst zu nehmen!“

Wer kennt den heiligen Pölten?

Den recht unbekannten Patron der niederösterreichischen Landeshauptstadt und der Diözese St. Pölten näher kennen zu lernen, lud Ordinariatskanzler Dr. Gottfried Auer in die Kapelle des Bildungshauses St. Hippolyt. Der römische Soldat starb um das Jahr 250 als Märtyrer; historisch gesichert ist, dass er an einem 13. August gemeinsam mit Papst Pontianus in den römischen Katakomben begraben wurde.
Nicht gesichert aber wahrscheinlich ist die Identität Hippolyts mit dem theologischen Schriftsteller gleichen Namens, dem unter anderem die Verfassung der „Traditio Apostolica“ zugeschrieben wird. Diese ist besonders bedeutsam, da sie die älteste Überlieferung des römischen Kanons enthält, aus der bei der Liturgiereform in der Folge des 2. Vatikanischen Konzils das heutige Zweite Hochgebet hervorgegangen ist.
Hippolyt wurde von einigen Stimmberechtigten auch zum Bischof von Rom, also zum Papst, gewählt. Die Mehrheit wählte jedoch Pontianus. So kam es zu einer kurzfristigen Kirchenspaltung, die durch den Rücktritt beider gelöst werden konnte. „Hippolyt ist der einzige heilige Gegenpapst“, so Kanzler Auer zur Besonderheit des Diözesanpatrons.

Monumentalbild einer Nacht

In fünf Stunden wurde es geschaffen, und zwar von den Händen vieler Menschen, die in dieser Langen Nacht die evangelische Kirche besucht haben: ein biblisches Monumentalbild im Ausmaß von 1 mal 4 Metern. Die ersten Farbstriche setzten die Priester und Pfarrer, die am ökumenischen Gottesdienst teilgenommen haben. Zum Abschluss der Langen Nacht erstrahlte dieses Bild in der evangelischen Kirche und konnte noch am selben Abend unter den Orgelklängen von Pachelbel, Buxtehude und Bach betrachtet werden.

 
 
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