Bauerntage 2010

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Mehr als 130 Personen nahmen an den traditionellen Bauerntagen der KMB 2010 in Seitenstetten und Zwettl teil.


Leben nach Maß und in der Mitte

„Die Regel des Heiligen Benedikt kann dem Leben eine Ordnung und Ausrichtung geben.“ so der Abt des Stiftes Seitenstetten, Prl. KR Mag. Berthold Heigl, beim traditionellen Bauerntag der Katholischen Männerbewegung am 30. Jänner im Stift Seitenstetten. Seine Regel sei „eine Übersetzung des Evangeliums in den Alltag“.

 

„Gott soll die Mitte sein, wir sollen Christus nichts vorziehen, weil auch er gegenüber uns nichts vorgezogen hat.“ so Heigl zu den versammelten Teilnehmern des Bauerntages. Wichtig sei, die eigene Mitte zu finden und zu prüfen, welchen Platz Gott in unserer Mitte hat. Ein „Leben nach Maß“ könne dazu beitragen. „Gebet, Arbeit und Ruhe - und alles zu seiner Zeit, alles in Gott“ zitierte er aus der Regel des Heiligen Benedikt.

Im anschließenden Gottesdienst nahm Abt Heigl Bezug auf das Evangelium: „Der Same keimt und wächst über Nacht, ohne unser Zutun. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht. Darauf dürfen wir vertrauen.“

Am Nachmittag informierte Wolfgang Lösser über die Nutzung vorhandener Energie in der Region. Lösser selbst betreibt im niederösterreichischen Streitdorf den ersten Energieautarken Bauernhof Österreichs. Für die Umsetzung wurden ihm zahlreiche Preise verliehen, darunter den NÖ Natur- und Umweltschutzpreis (2003) und der Europäische Solarpreis (2007). Pflanzenöl für den eigenen Fuhrpark, eine Solaranlage zur Warmwasserbereitstellung und für die Raumheizung, eine Photovoltaikanlage zur Deckung des Strombedarfes seien beispielhafte Möglichkeiten, um Energieautarkheit zu erlangen.

Jede Gemeinde und Region könne ebenfalls Energieautarkheit erlangen, mit Solar, Photovoltaik und Wärme und Strom aus der Heizung, darüber hinaus mit Windkraftwerken, Wasserkraft, Geothermie (Wärme aus dem Erdinneren) und Biomasse (feste, flüssige und gasförmige), Biogas, Pflanzenöl, je nachdem welche Möglichkeiten in der jeweiligen Region gegeben sind.

Der Leiter der Tagung, LAbg. Ing Andreas Pum aus St. Valentin, moderierte auch die anschließende Diskussion, wo es auch darum ging, welche Möglichkeiten jeder Einzelne rasch und effizient nutzen könne.

Gerechtigkeit und Perspektiven

Mehr als 60 TeilnehmerInnen begrüßte Dir. Othmar Engelhardt als Vertreter der Diözesanleitung zum traditionellen Waldviertler Bauerntag am Aschermittwoch 2010 im Stift Zwettl. Im Studienteil referierte P. Mag. Wolfgang Jungmayr zum KMB-Jahresthema „Gerechtigkeit“. Er nahm dabei Bezug zu Gerechtigkeit im Judentum, im Islam und im christlichen Glauben. Gerechtigkeit ist eine der vier Kardinalstugenden. „Von Gerechtigkeit habe nicht nur ich selbst etwas, sondern ich muss auch etwas dazu tun.“ so P. Jungmayr.

Anschließend an den Vortrag wurde Heilige Messe gefeiert. Im Rahmen der Liturgie wurden die Gläubigen mit dem Aschenkreuz bezeichnet. Der Ritus, der seit dem Ende des 11. Jahrhundert verbreitet ist, soll an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern und auf die Notwendigkeit der Umkehr und Buße hinweisen. Das Aschenkreuz symbolisiert aber auch die Hoffnung der Christen auf Auferstehung.  Das traditionelle Mittagsmahl im Bildungshaus des Stiftes Zwettl bildete eine Stosuppe mit Kartoffeln. 

Am Nachmittag referierte Dr. Stephan Pernkopf zum Thema „Landwirtschaft der Zukunft – Herausforderung für Bauern und die Agrarpolitik“. Dr. Pernkopf absolvierte das Francisco Josephinum in Wieselburg und studierte anschließend Jus. In Anlehnung an eine Aussage von Papst Benedikt XVI. meine er: „Wir sollten gegen die Logik des Profit sein, sondern für die Logik der Werte, der christlichen Werte.“ Die wichtigsten Partner der Landwirtschaft seien die Konsumenten. Dazu bräuchte es auch Klarheit, was die Gütesiegel betrifft. Der Inhalt der Gütesiegel müsse den Konsumenten klar sein. Regionale Initiativen müssen wieder angekurbelt werden, diesem Anliegen wird sich auch die Politik widmen, auch in der Gesetzgebung. Lobenswert erwähnte er die Rolle des Waldviertels als Vorreiter, speziell was gentechnikfreie Produkte betrifft.

Der Agrarlandesrat ermutigte die Teilnehmer aus dreierlei Gründen: „Die Landwirtschaft hat Substanz. Die Weltbevölkerung wird wachsen. Erneuerbare Energie ist ein Potential, das wir nutzen müssen.“ so Pernkopf. Das Hauptaugenmerk der Landwirtschaft werde aber immer die Lebensmittelproduktion sein. Die Entscheidung, was jeder aus seinem Betrieb macht, werde weiter beim Einzelnen bleiben. Die Politik müsse sich dafür einsetzen, dass jeder, der Bauer sein will, dies auch sein kann. 

Tagungsleiter Dir. Engelhart dankte Landesrat Pernkopf für seinen Einsatz für die Landwirtschaft. Zum Abschluss des Bauerntages informierte KMB-Sekretär Michael Scholz über die Aktivitäten und Ziele der Katholischen Männerbewegung.

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