Toleranz in
der Partnerschaft
Einstieg:
Bibelgespräch zur Schöpfungserzählung
Fragestellung: Was bedeutet diese Stelle hinsichtlich der Toleranz
in der Partnerschaft?
Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und
blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem
lebendigen Wesen. [...]
Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein
bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ich entspricht.
Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes
und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen
zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch
jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen. Der Mensch
gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren
des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er
nicht.
Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen
fallen, so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss
ihre Stelle mit Fleisch. Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die
er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem
Menschen zu. Und der Mensch sprach:
Das ist endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch.
Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist sie genommen.
Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an
seine Frau, und sie werden ein Fleisch. Beide, Adam und seine Frau,
waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. (Gen
2,7.18-24)
Für
den Gesprächsleiter sind folgende Hinweise hilfreich:
Es ist sinnvoll, bei dieser Bibelstelle das historische Hintereinander
auszublenden und den Text mit dem Ende beginnend zu lesen:
Mann und Frau schämen sich in ihrer Nacktheit nicht. Gottes
Bild von Mann und Frau kennt keinen Mangel und daher auch keine
bedrückende Scham. Ein Gefühl der Minderwertigkeit voreinander
ist nicht in Gottes Schöpfungsabsicht. Gibt es keine Minderwertigkeit,
so heißt das auch, dass jede Über- und Unterordnung von
Männern und Frauen hier ausgeschlossen wird.
Diese absolute Gleichwertigkeit und Ebenbürtigkeit von Mann
und Frau wird mit der einprägsamen Geschichte von der Rippe
nicht widerlegt, sondern geradezu untermauert. Wie der Mann ist
die Frau ganz Mensch vom selben Fleisch und Bein. Im Hebräischen
wird das noch klarer ausgedrückt durch die Ähnlichkeit
der Begriffe isch (Mann) und ischáh (Frau).
In Gen 2 reflektiert der Verfasser das Wesen des Menschen:
· der Mensch ist lebendig durch Gottes Lebensatem,
· der Mensch ist erst ganz in der Gestalt von zwei Geschlechtern,
· der Mensch ist nicht allein, sondern zur wechsel-
seitigen Hilfe geschaffen,
· der Mensch ist als Mann und Frau absolut
gleichwertig.
Themenarbeit:
Der Gruppenleiter gibt jedem TN eine Kopie der Impulse und Fragen
und lädt vorerst zur persönlichen Auseinandersetzung ein.
Eine Musikuntermalung ist dazu oft hilfreich. Nach etwa 10 bis 15
Minuten leitet er zum Gespräch in der Runde über. Weil die
Fragen sehr persönliche Themen anschneiden, ist es gut den Hinweis
zu machen, nur das in die Runde einzubringen, was jeder gerne weitergeben
will.
Abschluss:
Auf ein Plakat werden senkrecht untereinander die Buchstaben des
Wortes Toleranz geschrieben. Die TN suchen Begriffe, in denen einer
dieser Buchstaben vorkommt und die sie mit Toleranz verbinden. Die
Wörter werden wie bei einem Rätsel festgehalten: z.B.
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O |
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Z |
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G |
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T |
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Toleranz
gründet darin, dass wir alle aus Gottes Lebensatem existieren:
Nehme ich mich selber an? Verzeihe ich mir auch meine Versager?
Kann ich mich gut leiden? Nehme ich mich ernst? Lebe ich die Würde,
wie sie einem Kind Gottes entspricht? Kämpfe ich genug um meine
Lebensziele? Sehe ich meine Frau als von Gott geliebtes Geschöpf?
Verwende ich den Satz "Ich bin halt so!" als Ausrede,
um meine schlechten Angewohnheiten abzusegnen, oder ist er ein Akzeptieren,
dass ich nicht so bin, wie ich oder andere es haben möchten?
Toleranz
gründet darin, dass jede/r (Mann und Frau) gleich an Rechten
und Würde geboren wird?
Wo fühle ich mich abgewertet, nicht ernst genommen, weil ich
ein Mann bin? Wo werte ich Frauen (unbedacht) ab? (Autofahrerinnen,
Politikerinnen, Vorgesetzte,...) Wie rede ich in Männergesellschaft
über Frauen? Hat meine Frau die gleichen Chancen ihr Leben
zu gestalten? Haben wir in unserer Familie die Lasten und Freuden,
die Mühen und den Ertrag des Ehe- und Familienlebens gerecht
verteilt?
Toleranz
wächst mit dem Bemühen die Hintergründe für
das Denken, Reden und Verhalten der Partnerin zu erkunden?
Was kann ich an meiner Frau überhaupt nicht ausstehen? Weiß
sie es? Können wir darüber reden? Wann könnte ihr
diese(für mich negative) Eigenschaft einmal nützlich gewesen
sein? Welche Verhaltensweisen waren in ihrer Herkunftsfamilie üblich?
Was kann meine Frau an mir nicht leiden? Was könnte ein Grund
sein, dass ihr gerade das so auf die Nerven geht?
Toleranz wächst mit dem Grad der Selbsterkenntnis und der Intensität
des Gesprächs.
Wo fühle ich mich meiner Frau unterlegen? Kann ich offen darüber
reden oder stelle ich mein inneres Gleichgewicht durch Überlegenheitsgehabe
her? Wo fühlt sich vermutlich meine Frau unterlegen? Wie geht
sie mit dieser Situation um? Weiß ich, warum mir manche Kühe
so heilig sind? (z.B. Briefmarken) Habe ich es meiner Frau schon
zu erklären versucht?
Toleranz
ist das Gegenteil von Feigheit.
Nenne ich mich bisweilen tolerant, bin aber im Grunde zu feig, für
meine Wünsche zu kämpfen und einen Konflikt zu riskieren?
Nenne ich mich tolerant, weil ich aufgegeben habe, eigene Bedürfnisse
anzumelden? Kämpfe ich auch, meine Vorstellungen von Ehe und
Partnerschaft mit meiner Frau zu verhandeln? Jammere ich mehr, anstatt
Veränderungen herbeizuführen?
Toleranz
ist eine Form der Liebe.
Weiß ich, was meine Frau kränkt, wenn ich mit anderen
Frauen zusammen bin? Kann ich ihr sagen, wie viel Nähe zu anderen
Männern mich verletzen würde.
(Diese Aktivistenrunde wurde von KFW-Diözesansekretär
Mag. Anton Zehetgruber, 02742/398/327, gestaltet.)
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Dieser
göttliche Blick auf den Menschen ist Orientierung, wenn wir
über das Wesen von Toleranz nachdenken und gleichzeitig Kraftquelle,
wenn wir sie in unserem Umfeld und vor allem in unserer Partnerschaft
zu verwirklichen suchen.
Impulse
und Fragen für die persönliche Auseinandersetzung und
für das Gruppengespräch
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