Die Aktivistenrunden der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

 

 




 
    Mag. Anton Zehetgruber
   

Toleranz in der Partnerschaft

Einstieg:
Bibelgespräch zur Schöpfungserzählung
Fragestellung: Was bedeutet diese Stelle hinsichtlich der Toleranz in der Partnerschaft?
Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. [...]
Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ich entspricht.
Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heißen. Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht.
Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch. Gott, der Herr, baute aus der Rippe, die er vom Menschen genommen hatte, eine Frau und führte sie dem Menschen zu. Und der Mensch sprach:
Das ist endlich Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Frau soll sie heißen; denn vom Mann ist sie genommen.
Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch. Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander. (Gen 2,7.18-24)

Für den Gesprächsleiter sind folgende Hinweise hilfreich:
Es ist sinnvoll, bei dieser Bibelstelle das historische Hintereinander auszublenden und den Text mit dem Ende beginnend zu lesen:
Mann und Frau schämen sich in ihrer Nacktheit nicht. Gottes Bild von Mann und Frau kennt keinen Mangel und daher auch keine bedrückende Scham. Ein Gefühl der Minderwertigkeit voreinander ist nicht in Gottes Schöpfungsabsicht. Gibt es keine Minderwertigkeit, so heißt das auch, dass jede Über- und Unterordnung von Männern und Frauen hier ausgeschlossen wird.
Diese absolute Gleichwertigkeit und Ebenbürtigkeit von Mann und Frau wird mit der einprägsamen Geschichte von der Rippe nicht widerlegt, sondern geradezu untermauert. Wie der Mann ist die Frau ganz Mensch vom selben Fleisch und Bein. Im Hebräischen wird das noch klarer ausgedrückt durch die Ähnlichkeit der Begriffe isch (Mann) und ischáh (Frau).
In Gen 2 reflektiert der Verfasser das Wesen des Menschen:
· der Mensch ist lebendig durch Gottes Lebensatem,
· der Mensch ist erst ganz in der Gestalt von zwei Geschlechtern,
· der Mensch ist nicht allein, sondern zur wechsel-
seitigen Hilfe geschaffen,
· der Mensch ist als Mann und Frau absolut
gleichwertig.

Themenarbeit:
Der Gruppenleiter gibt jedem TN eine Kopie der Impulse und Fragen und lädt vorerst zur persönlichen Auseinandersetzung ein. Eine Musikuntermalung ist dazu oft hilfreich. Nach etwa 10 bis 15 Minuten leitet er zum Gespräch in der Runde über. Weil die Fragen sehr persönliche Themen anschneiden, ist es gut den Hinweis zu machen, nur das in die Runde einzubringen, was jeder gerne weitergeben will.

Abschluss:
Auf ein Plakat werden senkrecht untereinander die Buchstaben des Wortes Toleranz geschrieben. Die TN suchen Begriffe, in denen einer dieser Buchstaben vorkommt und die sie mit Toleranz verbinden. Die Wörter werden wie bei einem Rätsel festgehalten: z.B.

 

K O N F L I K T B E R E I T S C H A F T
        H U M O R                      
          S E L B S T L I E B E        
          L I E B E                    
          V E R T R A U E N            
              A C H T U N G            
    B E G E G N U N G                  
Z U G A N G   Z U   G O T T            

 

Toleranz gründet darin, dass wir alle aus Gottes Lebensatem existieren:
Nehme ich mich selber an? Verzeihe ich mir auch meine Versager? Kann ich mich gut leiden? Nehme ich mich ernst? Lebe ich die Würde, wie sie einem Kind Gottes entspricht? Kämpfe ich genug um meine Lebensziele? Sehe ich meine Frau als von Gott geliebtes Geschöpf? Verwende ich den Satz "Ich bin halt so!" als Ausrede, um meine schlechten Angewohnheiten abzusegnen, oder ist er ein Akzeptieren, dass ich nicht so bin, wie ich oder andere es haben möchten?

Toleranz gründet darin, dass jede/r (Mann und Frau) gleich an Rechten und Würde geboren wird?
Wo fühle ich mich abgewertet, nicht ernst genommen, weil ich ein Mann bin? Wo werte ich Frauen (unbedacht) ab? (Autofahrerinnen, Politikerinnen, Vorgesetzte,...) Wie rede ich in Männergesellschaft über Frauen? Hat meine Frau die gleichen Chancen ihr Leben zu gestalten? Haben wir in unserer Familie die Lasten und Freuden, die Mühen und den Ertrag des Ehe- und Familienlebens gerecht verteilt?

Toleranz wächst mit dem Bemühen die Hintergründe für das Denken, Reden und Verhalten der Partnerin zu erkunden?
Was kann ich an meiner Frau überhaupt nicht ausstehen? Weiß sie es? Können wir darüber reden? Wann könnte ihr diese(für mich negative) Eigenschaft einmal nützlich gewesen sein? Welche Verhaltensweisen waren in ihrer Herkunftsfamilie üblich? Was kann meine Frau an mir nicht leiden? Was könnte ein Grund sein, dass ihr gerade das so auf die Nerven geht?
Toleranz wächst mit dem Grad der Selbsterkenntnis und der Intensität des Gesprächs.
Wo fühle ich mich meiner Frau unterlegen? Kann ich offen darüber reden oder stelle ich mein inneres Gleichgewicht durch Überlegenheitsgehabe her? Wo fühlt sich vermutlich meine Frau unterlegen? Wie geht sie mit dieser Situation um? Weiß ich, warum mir manche Kühe so heilig sind? (z.B. Briefmarken) Habe ich es meiner Frau schon zu erklären versucht?

Toleranz ist das Gegenteil von Feigheit.
Nenne ich mich bisweilen tolerant, bin aber im Grunde zu feig, für meine Wünsche zu kämpfen und einen Konflikt zu riskieren? Nenne ich mich tolerant, weil ich aufgegeben habe, eigene Bedürfnisse anzumelden? Kämpfe ich auch, meine Vorstellungen von Ehe und Partnerschaft mit meiner Frau zu verhandeln? Jammere ich mehr, anstatt Veränderungen herbeizuführen?

Toleranz ist eine Form der Liebe.
Weiß ich, was meine Frau kränkt, wenn ich mit anderen Frauen zusammen bin? Kann ich ihr sagen, wie viel Nähe zu anderen Männern mich verletzen würde.


(Diese Aktivistenrunde wurde von KFW-Diözesansekretär Mag. Anton Zehetgruber, 02742/398/327, gestaltet.)

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Dieser göttliche Blick auf den Menschen ist Orientierung, wenn wir über das Wesen von Toleranz nachdenken und gleichzeitig Kraftquelle, wenn wir sie in unserem Umfeld und vor allem in unserer Partnerschaft zu verwirklichen suchen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Impulse und Fragen für die persönliche Auseinandersetzung und für das Gruppengespräch


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr