Religion und
Toleranz
Lied: Sonne der Gerechtigkeit
GL 644, Strophe 1 bis 3
Zur
Einleitung:
Heute lesen wir einmal nicht aus der Bibel, sondern aus einem Konzilsdokument.
Gehört doch die Tradition der Kirche, wie sie von den Konzilien
im Lichte der Bibel immer wieder betrachtet, aktualisiert und vertieft
wurde, zum wesentlichen Inhalt unseres Glaubens.
1.
Lesung aus dem Konzilsdokument "Lumen Gentium" über
die Kirche
Zum neuen Gottesvolk werden alle Menschen gerufen. Darum muß
dieses Volk eines und ein einziges bleiben und sich über die
ganze Welt und durch alle Zeiten hin ausbreiten. So soll sich das
Ziel des Willens Gottes erfüllen, der das Menschengeschlecht
am Anfang als eines grgründetund beschlossen hat, seine Kinder
aus der Zerstreuung wieder zur Einheit zu versammeln (vgl. Jo 11.52).
Dazu sandte nämlich Gott seinen Sohn, den er zum erben des
Alls gemacht hat (vgl. Hebr 1,2), dass er Lehrer, König und
Priester aller sei, das Haupt des neuen und allumfassenden Volkes
der Söhne Gottes. Dazu sandte Gott schließlich den Geist
seines Sohnes, den Herrn und Lebensspender, der für die ganze
Kirche und die Gläubigen einzeln und insgesamt der Urgrund
der Vereinigung und Einheit in der Lehre der Apostel und in der
Gemeinschaft, im Brotbrechen du im Gebet ist (vgl. Apg 2,42).
2.
Lesung:
Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes, die den allumfassenden
Frieden bezeichnet und fördert, sind alle Menschen berufen.
Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet
die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden
und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die
Gnade Gottes zum Heile berufen sind.
3.
Lesung:
Mit jenen, die durch die Taufe der Ehre des Christennamens teilhaft
sind, den vollen Glauben aber nicht bekennen oder die Einheit der
Gemeinschaft unter dem Nachfolger Petri nicht wahren, weiß
sich die Kirche aus mehrfachem Grunde verbunden. Viele nämlich
halten die Schrift als Glaubens- und Lebensnorm in Ehren, zeigen
einen aufrichten religiösen Eifer, glauben in Liebe an Gott,
den allmächtigen Vater, und an Christus, den Sohn Gottes und
Erlöser, empfangen das Zeichen der Taufe, wodurch sie mit Christus
verbunden werden; ja sie anerkennen und empfangen auch andere Sakramente
in ihren eigenen Kirche oder kirchlichen Gemeinschaften. Mehrere
unter ihnen besitzen auch einen Episkopat, feiern die heilige Eucharistie
und pflegen die Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter.
Dazu kommt die Gemeinschaft im Gebet und in anderen geistlichen
Gütern; ja sogar eine wahre Verbindung im Heiligen Geiste,
der in Gaben und Gnaden auch in ihnen mit seiner heiligenden Kraft
wirksam ist und manche von ihnen bis zur Vergießung des Blutes
gestärkt hat. So erweckt der Geist in allen Jüngern Christi
Sehnsucht und Tat, dass alle in der von Christus angeordneten Weise
in der neuen Herde unter dem einen Hirten in Frieden geeint werden
mögen. Um dies zu erlangen, betet, hofft und wirkt die Mutter
Kirche unaufhörlich, ermahnt sie ihre Söhne zur Läuterung
und Erneuerung, damit das Zeichen Christi auf dem Antlitz der Kirche
klarer erstrahle.
Lesungen
4a und 4b:
Diejenigen endlich, die das Evangelium noch nicht empfangen haben,
sind auf das Gottesvolk auf evrschiedene Weise hingeordnet.
Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil
Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen
Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch, nicht ohne die göttliche
Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Was sich
nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der
Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft und als Gabe
dessen geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich
das Leben habe.
Fragen
für die Erörterung in der Runde:
Alle
Menschen sind zum Heil berufen, alle Christen gehören zum Neuen
Gottesvolk.
Wieso verhalten wir uns den Andersgläubigen gegenüber
so ausgrenzend?
Was
können wir tun, um sie als Geschwister anzunehmen?
Ist
ihre Verschiedenheit nicht ein Reichtum, von dem wir profitieren,
lernen können?
Warum
sind wir in der r.k. Kirche untereinander so zerstritten?
Sind die verschiedenen Auffassungen der diversen Strömungen
nicht eher eine Bereicherung, ein Aufzeigen der Weite und Breite
der Kirche, welche ja die Liebe Gottes zu den Menschen widerspiegeln
soll?
Geht
es uns nicht oft wie Kindern bei "Kopf oder Adler", indem
wir nur Strenge, oder nur Barmherzigkeit gelten lassen wollen, ohne
zu bedenken, daß die Münze beide Seiten braucht?
War
nicht Jesus streng gegen die Sünde, aber liebevoll (nicht bloß
barmherzig, sondern warmherzig) gegenüber den Sündern
und Sünderinnen?
Sprach
er nicht: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott
gehört?
Toleranz,
Achtung voreinander, Behutsamkeit ist angesagt
Lied:
Sonne der Gerechtigkeit
GL 644, Strophe 4, 6, 7
(Diese
Aktivistenrunde wurde vom Präsidenten der Kath. Aktion, Dr.
Rudolf Schwertner, 02742/398/325, gestaltet).
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In
allen Völkern der Erde wohnt also dieses eine Gottesvolk, da
es aus ihnen allen seine Bürger nimmt, Bürger eines Reiches
freilich nicht irdischer, sondern himmlischer Natur. Alle über
den Erdkreis hin verstreuten Gläubigen stehen mit den übrigen
im Heiligen Geiste in Gemeinschaft, und so weiß "der,
welcher zu Rom wohnt, dass die Inder seine Glieder sind."
Gedanken:
Das "Neue Gottesvolk" soll eines, einziges bleiben, alle
umfassen = katholisch, denn das griechische Wort katholisch bedeutet
" kat holon", alles umfassend.
Es wird von Gott geschaffen, durch Christus und den Heiligen Geist.
Gedanken:
Die
(r.k.) Kirche weiß sich also mit allen, die sich zu Christus
bekennen, im Glauben und in der Taufe, ja in vielfältiger Weise
verbunden. Handelt sie, handeln wir immer danach?
Was verstehen wir unter "eine Herde unter dem einen Hirten"
? Kann doch richtigerweise nur heißen "unter Christus",
welcher der wahre gute Hirte ist. Ist ein Verständnis "unter
dem Papst" nicht eine Verkürzung, ja Verfälschung
dieses Gedankens"?
Warum ermahnt die Kirche nur "ihre Söhne" und nicht
auch die Töchter? Zählen die überhaupt nichts? Oder
denken sie von vorneherein "allumfassend"? Oder ist da
nicht versteckterweise auch in den Söhnen nur der Klerus gemeint?
Die Ermahnung sollte doch wohl allen gelten.
Gedanken:
Jeder
Mensch ist zum Heil berufen, oder, wie es an anderen Stellen heißt,
ein Kind Gottes.
Diese Stelle ist eine eindeutige Abkehr von der überholten
Auffassung, nur der r.k. Christ sei fähig, "in den Himmel
zu kommen", die z.B. dazu geführt hat, daß unter
Pius IX ein von der christlichen Hausmagd getauftes Kind seinen
jüdischen Eltern weggenommen und zwangsweise (römisch-)katholisch
erzogen wurde (erinnere an die heftige Mediendebatte aus Anlaß
der Seligsprechung).
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