Die Aktivistenrunden der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

 

 




 
    Präs.Rudolf Schwertner
   

Religion und Toleranz


Lied: Sonne der Gerechtigkeit
GL 644, Strophe 1 bis 3

Zur Einleitung:
Heute lesen wir einmal nicht aus der Bibel, sondern aus einem Konzilsdokument. Gehört doch die Tradition der Kirche, wie sie von den Konzilien im Lichte der Bibel immer wieder betrachtet, aktualisiert und vertieft wurde, zum wesentlichen Inhalt unseres Glaubens.

1. Lesung aus dem Konzilsdokument "Lumen Gentium" über die Kirche
Zum neuen Gottesvolk werden alle Menschen gerufen. Darum muß dieses Volk eines und ein einziges bleiben und sich über die ganze Welt und durch alle Zeiten hin ausbreiten. So soll sich das Ziel des Willens Gottes erfüllen, der das Menschengeschlecht am Anfang als eines grgründetund beschlossen hat, seine Kinder aus der Zerstreuung wieder zur Einheit zu versammeln (vgl. Jo 11.52). Dazu sandte nämlich Gott seinen Sohn, den er zum erben des Alls gemacht hat (vgl. Hebr 1,2), dass er Lehrer, König und Priester aller sei, das Haupt des neuen und allumfassenden Volkes der Söhne Gottes. Dazu sandte Gott schließlich den Geist seines Sohnes, den Herrn und Lebensspender, der für die ganze Kirche und die Gläubigen einzeln und insgesamt der Urgrund der Vereinigung und Einheit in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brotbrechen du im Gebet ist (vgl. Apg 2,42).

2. Lesung:
Zu dieser katholischen Einheit des Gottesvolkes, die den allumfassenden Frieden bezeichnet und fördert, sind alle Menschen berufen. Auf verschiedene Weise gehören ihr zu oder sind ihr zugeordnet die katholischen Gläubigen, die anderen an Christus Glaubenden und schließlich alle Menschen überhaupt, die durch die Gnade Gottes zum Heile berufen sind.

3. Lesung:
Mit jenen, die durch die Taufe der Ehre des Christennamens teilhaft sind, den vollen Glauben aber nicht bekennen oder die Einheit der Gemeinschaft unter dem Nachfolger Petri nicht wahren, weiß sich die Kirche aus mehrfachem Grunde verbunden. Viele nämlich halten die Schrift als Glaubens- und Lebensnorm in Ehren, zeigen einen aufrichten religiösen Eifer, glauben in Liebe an Gott, den allmächtigen Vater, und an Christus, den Sohn Gottes und Erlöser, empfangen das Zeichen der Taufe, wodurch sie mit Christus verbunden werden; ja sie anerkennen und empfangen auch andere Sakramente in ihren eigenen Kirche oder kirchlichen Gemeinschaften. Mehrere unter ihnen besitzen auch einen Episkopat, feiern die heilige Eucharistie und pflegen die Verehrung der jungfräulichen Gottesmutter. Dazu kommt die Gemeinschaft im Gebet und in anderen geistlichen Gütern; ja sogar eine wahre Verbindung im Heiligen Geiste, der in Gaben und Gnaden auch in ihnen mit seiner heiligenden Kraft wirksam ist und manche von ihnen bis zur Vergießung des Blutes gestärkt hat. So erweckt der Geist in allen Jüngern Christi Sehnsucht und Tat, dass alle in der von Christus angeordneten Weise in der neuen Herde unter dem einen Hirten in Frieden geeint werden mögen. Um dies zu erlangen, betet, hofft und wirkt die Mutter Kirche unaufhörlich, ermahnt sie ihre Söhne zur Läuterung und Erneuerung, damit das Zeichen Christi auf dem Antlitz der Kirche klarer erstrahle.

Lesungen 4a und 4b:
Diejenigen endlich, die das Evangelium noch nicht empfangen haben, sind auf das Gottesvolk auf evrschiedene Weise hingeordnet.
Die göttliche Vorsehung verweigert auch denen das zum Heil Notwendige nicht, die ohne Schuld noch nicht zur ausdrücklichen Anerkennung Gottes gekommen sind, jedoch, nicht ohne die göttliche Gnade, ein rechtes Leben zu führen sich bemühen. Was sich nämlich an Gutem und Wahrem bei ihnen findet, wird von der Kirche als Vorbereitung für die Frohbotschaft und als Gabe dessen geschätzt, der jeden Menschen erleuchtet, damit er schließlich das Leben habe.

Fragen für die Erörterung in der Runde:

Alle Menschen sind zum Heil berufen, alle Christen gehören zum Neuen Gottesvolk.

Wieso verhalten wir uns den Andersgläubigen gegenüber so ausgrenzend?

Was können wir tun, um sie als Geschwister anzunehmen?

Ist ihre Verschiedenheit nicht ein Reichtum, von dem wir profitieren, lernen können?

Warum sind wir in der r.k. Kirche untereinander so zerstritten?
Sind die verschiedenen Auffassungen der diversen Strömungen nicht eher eine Bereicherung, ein Aufzeigen der Weite und Breite der Kirche, welche ja die Liebe Gottes zu den Menschen widerspiegeln soll?

Geht es uns nicht oft wie Kindern bei "Kopf oder Adler", indem wir nur Strenge, oder nur Barmherzigkeit gelten lassen wollen, ohne zu bedenken, daß die Münze beide Seiten braucht?

War nicht Jesus streng gegen die Sünde, aber liebevoll (nicht bloß barmherzig, sondern warmherzig) gegenüber den Sündern und Sünderinnen?

Sprach er nicht: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gott gehört?

Toleranz, Achtung voreinander, Behutsamkeit ist angesagt

Lied: Sonne der Gerechtigkeit
GL 644, Strophe 4, 6, 7


(Diese Aktivistenrunde wurde vom Präsidenten der Kath. Aktion, Dr. Rudolf Schwertner, 02742/398/325, gestaltet).

 
 
 
 
 
 
In allen Völkern der Erde wohnt also dieses eine Gottesvolk, da es aus ihnen allen seine Bürger nimmt, Bürger eines Reiches freilich nicht irdischer, sondern himmlischer Natur. Alle über den Erdkreis hin verstreuten Gläubigen stehen mit den übrigen im Heiligen Geiste in Gemeinschaft, und so weiß "der, welcher zu Rom wohnt, dass die Inder seine Glieder sind."
Gedanken:
Das "Neue Gottesvolk" soll eines, einziges bleiben, alle umfassen = katholisch, denn das griechische Wort katholisch bedeutet " kat holon", alles umfassend.
Es wird von Gott geschaffen, durch Christus und den Heiligen Geist.

 

Gedanken:
Die (r.k.) Kirche weiß sich also mit allen, die sich zu Christus bekennen, im Glauben und in der Taufe, ja in vielfältiger Weise verbunden. Handelt sie, handeln wir immer danach?
Was verstehen wir unter "eine Herde unter dem einen Hirten" ? Kann doch richtigerweise nur heißen "unter Christus", welcher der wahre gute Hirte ist. Ist ein Verständnis "unter dem Papst" nicht eine Verkürzung, ja Verfälschung dieses Gedankens"?
Warum ermahnt die Kirche nur "ihre Söhne" und nicht auch die Töchter? Zählen die überhaupt nichts? Oder denken sie von vorneherein "allumfassend"? Oder ist da nicht versteckterweise auch in den Söhnen nur der Klerus gemeint? Die Ermahnung sollte doch wohl allen gelten.

Gedanken:
Jeder Mensch ist zum Heil berufen, oder, wie es an anderen Stellen heißt, ein Kind Gottes.
Diese Stelle ist eine eindeutige Abkehr von der überholten Auffassung, nur der r.k. Christ sei fähig, "in den Himmel zu kommen", die z.B. dazu geführt hat, daß unter Pius IX ein von der christlichen Hausmagd getauftes Kind seinen jüdischen Eltern weggenommen und zwangsweise (römisch-)katholisch erzogen wurde (erinnere an die heftige Mediendebatte aus Anlaß der Seligsprechung).



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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr