Die Aktivistenrunden der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

 

 




 
    KR Pfr. Johann Punz
   

Toleranz - eine christliche Tugend

Einleitung:
Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Der Vater und die beiden Söhne
Ein Mann hatte zwei Söhne. Der Jüngere war weit herumgekommen und hatte die Ängste und Hoffnungen der Menschen kennengelernt. In einer neuen Sprache erzählte er von seinen Erfahrungen und schrieb sie auf. Viele lasen und hörten ihn gern. Überall sprach er davon, sein Vaterhaus müsse dringend renoviert werden, damit er bewohnbar bleibe. Er begann, die verstaubten Bilder wieder zum Leuchten zu bringen, fließendes Wasser zu installieren und neue Fenster und Türen einzubauen. Zu einer "angstfreien Zone" wollte er das Haus machen. Hilfesuchende und unglückliche Menschen sollten hier eine neue Heimat finden.
Sein großer Bruder beobachtete argwöhnisch jeden seiner Schritte. Er war stolz auf die lange Tradition seines Vaterhauses. Die neue Sprache seines Bruder verstand er nicht, und er hatte Angst, die Renovationen würden das Haus zerstören. Immer häufiger hielt er seinem Bruder die alte Hausordnung unter die Nase, und immer heftiger stritten sie darüber, wie diese Hausordnung zu verstehen sei. Eines Tages setzte der ältere seinen jüngeren Bruder vor die Tür.
Der Vater, der sich bis dahin zurückgehalten hatte, war sehr traurig über seine beiden Söhne. Sie wollen doch beide, dass sich die Menschen in unserem Haus wohlfühlen, dachte er.
Warum können sie nicht mehr miteinander reden?
Und er ging zu seinem jüngeren Sohn und sagte: "Ich verstehe deine Enttäuschung und Verbitterung. Aber erinnerst du dich an den Satz, den ich dir immer wieder ans Herz gelegt habe: Was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen? Wenn du willst, dass dein Bruder dich und dein Anliegen versteht, dann musst auch du dich in ihn hineinversetzen. Wenn du erwartest, dass er den ersten Schritt tut, dann musst auch du dazu bereit sein."
Darauf ging er zu seinem älteren Sohn und sagte: "Ich verstehe deine Angst und deine Sorge um unser Haus. Aber erinnerst du dich an die Geschichte vom Unkraut und vom Weizen, die ich dir schon oft erzählt habe? Wenn du nicht die Geduld hast, beides wachsen zu lassen bis zur Ernte, dann reißt du mit dem Unkraut auch den Weizen aus. Wenn du einige unfertige Gedanken deines Bruders ausmerzen willst, dann wirst du auch das Gute, das er für uns tut, zerstören."
(vgl. Mt 13/24-30)

Der Begriff der Toleranz im modernen Sinn taucht erst im 16. Jh. Auf; der Suche nach geht er weit zurück. Im AT und NT aktualisiert sich das Toleranzproblem vor allem im Verhältnis zu anderen Religionen und gegenüber Fremden. Gegenüber Fremden, die als Feinde galten, gab es trotz allem eine Tolerierung, denn Gott liebt den Fremden (Dt 10,18). Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes und tragen sein Gesetz in sich; Brüderlichkeit, Frieden, Gastfreundschaft sind zentrale Tugenden. - Im Mittelalter dominierte die Einheit von Reich und Kirche, ein Nährboden für das Entstehen totalitärer und intoleranter Verhältnisse. Der christliche Absolutheitsanspruch hat oft in der Geschichte zu Intoleranz geführt (Inquisition). Vgl. das landesstaatliche Prinzip: "Cuius regio, eius religio" sowie die Religionskriege. - In der Neuzeit prägt der Liberalismus, mit der Trennung von Kirche und Staat und der Anerkennung der Freiheit des Individuums weitgehend die Gesellschaft. Der Toleranzbegriff ist davon nicht unbeeinflusst.

Der Wahrheitsfrage gegenüber darf der Mensch nicht gleichgültig sein. Am wenigsten kann das die Kirche sein, die von Christus zur Hüterin und Lehrerin der Wahrheit bestellt wurde. (2. Vatic.) Sie hat den Irrtum mit Mitteln des Geistes zu bekämpfen und gemäss dem Gebot der Nächstenliebe alle Mühe aufzuwenden um dem Irrenden zu helfen.
(Unter Achtung der Würde des Menschen und ohne jedwede Gewalt!)

Verpflichtung zur Toleranz
Sie ergibt sich vor allem aus der Langmut Gottes, "denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte." (Mt 5/45)
Um seiner Berufung gemäß zu leben wird der Christ die anderen in "Liebe, Demut. Milde und Geduld ertragen" (Eph 4/2). So wird die Liebe deutlich (1 Kor 13/4), das Lebensprinzip des "neuen" erlösten Menschen.
"Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet Euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt Euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr Euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht."
Kol 3/12-14

Praktische Überlegungen:
· Kann ich die Meinung anderer gelten lassen? In der Familie, im Betrieb, in der Kirche, in der Politik ...
· Ist mir die Wahrheit etwas wert oder halte ich um des lieben Friedens willen (eines faulen Friedens) immer den Mund?
· Engagiere ich mich für die Wahrheit des Evangeliums oder opfere ich den Glauben einem Liberalismus unter dem Deckmantel der Toleranz?
· Was tue ich (oder wir) gegen die INTOLERANZ mancher Gruppen?

Abschluss: KMB-Gebet
Allmächtiger Gott und gütiger Vater,
Du hast mich als Mann in diese Welt gestellt,
die Du erschaffen hast du die ich in Deinem Auftrag gestalten soll.
Gib mir den Mut und die Kraft dazu.
Gib mir einen festen und beständigen Glauben.
Lass mich nie vergessen, dass Dein Gebot das Gebot der Liebe ist.
Hilf mir an jedem Tag, Dir in allem zu dienen durch meine Arbeit,
durch meine Sorgen um die mir Anvertrauten.
So darf ich beitragen zum Wohl meines Nächsten und zum Aufbau
Deines Reiches in dieser Welt.
Dies bitte ich Dich durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

 
(Diese Aktivistenrunde wurde vom Geistl. Assistenten der KMB, Pfr. KR Johann Punz , 02757/2251, gestaltet)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Wo mehrere Menschen zusammenleben, ist es unvermeidlich, dass sie in manchen Dingen verschiedene Auffassungen haben. Wenn jeder nur seine Meinung gelten lassen wollte, würde das Zusammenleben unerträglich. Soll die Gemeinschaft bestehen und gedeihen können ist Toleranz das heißt Duldsamkeit (lat. Tolerare = dulden), in gewissem Ausmaß notwendig.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Auf diese Weise wird der Christ ein wahres Kind des langmütigen Gottes sein, der liebt, verzeiht und retten will wie Jesus bei Mt 11/29 sagt: "Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir!"


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr