Die Männerrunde der Katholischen Männerbewegung St. Pölten
     

 

 




 
    Gestaltet von der KMBÖ
   

Vom Ich und Du zum Wir

Ich kann dem Du begegnen, wenn ich weiß, wer ich selbst bin. Daraus können gemeinsame Wege entstehen, ohne dass ich den anderen zu sehr vereinnahme bzw. ich mich selbst vereinnahmt fühle.
Dafür ist es allerdings wichtig und notwendig, die eigenen Ziele, Werte, Meinungen,... zu kennen, damit ich diese dem Du/Gegenüber einbringen/darstellen kann. Gelingt mir das nicht, hat dies meist Frustration und ein Gefühl, daß mich der andere überfahren/überrumpelt hat, zur Folge.

Viele Konflikte in unserer Gesellschaft entstehen deshalb, weil der (die) einzelne
Ø den eigenen Standpunkt nicht genau kennt,
Ø grundsätzlich Recht haben will,
Ø die Meinung des/der anderen nicht akzeptieren kann,
Ø sich öffentlich nicht bloß stellen will, wenn ein/e andere/r eine andere Meinung hat
Ø grundsätzlich immer auf seiner (ihrer) eigenen Meinung besteht.
Warum ist das so?
Wie kann dies geändert werden?
Welche Lösungsansätze sind möglich?

Ziel:
Die Teilnehmer sollen aussprechen lernen, was ihnen selbst wichtig ist, was ihre Werte, ihre Vorstellungen und Lebensziele sind und sie sollen lernen, diese in Gesprächen mit anderen zu artikulieren. Dabei soll auch darauf geachtet werden, klare Formulierungen zu treffen, mit denen die anderen etwas anfangen können. Die Teilnehmer sollen unterscheiden lernen zwischen "schönen Worten" und klaren Zielformulierungen, denn je klarer ich mich selbst ausdrücke, desto eher kann das Gegenüber auf meine Meinung eingehen und desto eher können gemeinsame Wege gefunden werden.

1. Schritt:
Jeder Teilnehmer bekommt eine Kopie des Blattes "Einstimmung" und sucht sich im Raum einen ruhigen Platz aus, wo er sich wohl fühlt und gut arbeiten kann
Jeder setzt sich mit seinem Leben auseinander, zählt auf, was seine Lebens-Ziele, -Werte, -Träume, -Erfahrung/Weisheit und -Bild ist und trägt die Ergebnisse in die Tabelle ein.

2. Schritt:
Die Teilnehmer gehen nun paarweise zusammen und erzählen sich gegenseitig die wesentlichsten Punkte, die sie in der Tabelle erarbeitet haben:
Ø Welche(s) Ziel(e) ist(sind) für mein Leben das(die) wichtigste(n)?
Ø Welcher Wert ist für mein Leben der wichtigste?
Ø Welcher Lebens-Traum ist für mich am vorrangigsten?
Ø Welche Erfahrung ist für mein Leben die wichtigste (gewesen)?
Ø Was würde ich einem anderen, der mich nicht kennt, vorrangig über mich erzählen?
Jeder achtet dabei hauptsächlich auf einzelne Punkte des anderen, die ich 100%ig nachvollziehen kann und jene, mit denen ich absolut nichts anfangen kann. Der jeweilige Zuhörende schreibt diese markanten Punkte auf

3. Schritt:
Anhand der Aufzeichnungen lernen die zwei Gesprächspartner ihre gleiche und ihre unterschiedliche Meinung kennen und setzen sich damit auseinander, warum sie in manchen Punkten übereinstimmen, in anderen aber konträrer Meinung sind:
o Welche Gefühle werden in mir ausgelöst, wenn ich mit dem anderen nicht einer Meinung bin? (Hass, Angst, Enttäuschung, Überheblichkeit,...?)
o Wie reagiere ich spontan, wenn einer nicht derselben Meinung ist wie ich selbst?
o Wie gehe ich mit der anderen Meinung (des anderen) um?
o Will ich den anderen von meiner eigenen Meinung überzeugen, weil ich glaube, diese sei in diesem Punkt die einzig richtige und der andere müsse unbedingt davon überzeugt werden?
o Mit welchen Argumenten und Mitteln drücke ich anderen meine eigene Meinung auf?
o Nehme ich selbst leicht die Meinung von anderen an?

4. Schritt:
Je zwei Partner überlegen sich nun eine kurze Szene aus dem Alltag:
- Wie begegne ich einem Menschen, der meine Meinung annimmt/akzeptiert?
- Wie begegne ich einem Menschen, der eine andere Meinung hat als ich?
- Wie begegne ich einem Menschen, den ich von meiner eigenen Meinung überzeugen will?
- Wie begegne ich einem Menschen, der mich von seiner eigenen Meinung, die ich nicht akzeptiere, überzeugen will? Wie verhalte ich mich, wenn mich ein anderer vereinnahmen will?
- Wie verhält sich ein anderer, wenn ich ihn vereinnahmen will?
- Was ist mir am anderen wichtig? Wann kann ich seine (andere) Meinung akzeptieren? Wann nicht?
- Wann erlebe ich einen Gesichtsverlust? (Wie? Wodurch? Welche Gefühle erlebe ich dabei in mir?)
Jede Zweiergruppe kann sich aussuchen, welche Szene sie gerne spielen will. Es soll aber eher sehr spontan gespielt werden, also keine langen Vorbereitungszeiten!


Dabei können folgende Gedanken nützlich sein:
Ø Wie begegne ich anderen Menschen grundsätzlich, z.B. misstrauisch, ängstlich, freundlich, neugierig, mich abkapselnd, wohlwollend, wissbegierig,...
Ø Was ist mir wichtig am anderen?
Ø Was stört mich am anderen?
Ø Bei wem akzeptiere ich eine andere/gegensätzliche Meinung eher, bei wem überhaupt nicht?
Ø Wie muss ein anderer sein, damit ich seine (andere, gegensätzliche) Meinung akzeptiere? Welche Eigenschaften muss ein solcher Mensch aufweisen (z.B. überzeugend, plausibel, muss gut/überzeugend reden können, muss glaubwürdig sein, muss eine öffentlich anerkannte Persönlichkeit sein,...)

5. Schritt: Lösungsansätze
Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse auf einem Flipchartpapier in gemeinsamer Erarbeitung festgehalten und ein Raster/eine Liste erstellt, was die wesentlichen Voraussetzungen für eine tolerante(re) Begegnung im Alltag sind, so daß jeder seinen eigenen Standpunkt wahren, es aber doch zu einem gemeinsamen Handeln kommen kann, ohne dass sich irgendwer dabei vereinnahmt fühlt.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Materialien:
Kopien der Tabelle "Einstimmung" (pro Teilnehmer eine Kopie),


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    Die KMB ist eine Gliederung der Kath. Aktion der Diözese St. Pölten
verantwortlich für den Inhalt: Josef Muhr