Der Blick der Hoffnung - eine adventliche Sichtweise
Besinnliches!
- Peter Glas -
Wenn ich die Fensterjalousien in meiner Wohnung ganz herunterlasse,
ist es in den Räumen stockdunkel. Ich sehe dann nicht einmal die
eigene Hand vor dem Gesicht. - Freilich ist meine Wohnung auch mit
einer Lichtinstallation und mit Lampen ausgestattet. Ich kann den
Schalter betätigen, damit es hell wird. Gott hat - im übertragenen
Sinn - eine „Lichtinstallation“ ganz tief in jeden Menschen gelegt.
Das gibt uns die Möglichkeit, mit einem „Blick der Hoffnung“ zu
sehen. Dieser Blick sieht den guten Willen, die Fähigkeiten, die
Sehnsucht nach Sinn und erfülltem Leben und das Große, das in jedem
Menschen - vielleicht noch verborgen - liegt. Dieser Blick sieht
die „Lichtinstallation“, die Gott in uns angelegt hat. Vielleicht
haben wir diese „Lichtinstallation“ in uns vernachlässigt. Aber
sie ist leicht zu aktivieren. Schon der Wunsch, die Sehnsucht nach
Licht ist ein Anfang.
Advent -voll mit lichtvollen Zeichen und Symbolen
Die Adventzeit mit ihren verschiedenen lichtvollen Zeichen und
Symbolen lädt uns ein: „Mache dich auf und werde Licht, denn dein
Licht kommt!“ (Jes 60,1). Der grüne (Farbe der Hoffnung!) Adventkranz
mit den Kerzen, die nach und nach entzunden werden; die Barbarazweige,
die in der warmen Stube und im Licht der Sonne inmitten des kalten
Winters aufblühen; der wohlige Schein der vielen Lichter und die
erhebende Melodie des Liedes „Sieh, der Herr kommt in Herrlichkeit...“
bei den Roratemessen lassen manche Sehnsucht in uns wach werden:
Sehnsucht nach Licht und Geborgenheit im Leben, eine Sehnsucht,
die letztlich nur von Gott gestillt werden kann.
Werden wir zu "Lichtbringern"
Als Getaufte und Glaubende können wir zu „Lichtbringern“ für andere
werden. Es wäre erfreulich, wenn wir den Mut hätten, einen „Blick
der Hoffnung“ anzunehmen: uns selbst gegenüber (sehen, was schon
alles in uns da ist, und Geduld haben im Blick auf das, was noch
kommen kann und was im Werden ist...). Schenken wir den „Blick der
Hoffnung“ aber auch unseren Mitmenschen. Sehen wir die guten Möglichkeiten,
die in den anderen stecken, und machen wir einander darauf aufmerksam!
Der „Blick der Hoffnung“ ist wie eine Zugsalbe: Er lockt heraus,
was noch verborgen ist ...
Vor allem dürfen wir darauf vertrauen, daß Gott von der Zeit an,
da wir noch im Mutterleib waren, bis heute mit diesem Blick auf
uns sieht. Er schaut auf uns auch dann, wenn wir „unsere Jalousien“
unten lassen und „unsere Lichtinstallation“ vernachlässigen. Gott
möchte uns herausführen aus den Dunkelheiten und Schatten zum Licht.
Wir sollten es wagen: Machen wir uns auf den Weg mit „Augen der
Hoffnung“. „Seht, die erste Kerze brennt ...“. Christus, das Licht,
kommt uns entgegen.
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Eine Pflanze, die
nicht dem Licht
zugewandt ist, verkümmert. Könnte ein Glaubender,
der vergisst,
auf das Licht Gottes zu schauen, und bei den Schatten verweilt,
in sich ein inneres Leben wachsen lassen? ...
Frère Roger, Taizé
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