Firmpate - der väterliche Freund
„Es ist auch und mit flammenden Herzen der kleine Junge in mir,
der schon immer einen väterlichen Freund haben wollte und haben
will - ohne daß es dazu bisher gekommen wäre. Sobald ich mit einem
Mann zusammen bin, bei dem ich spüre, daß ich mich anlehnen will
und losplappern und fragen und jammern und wieder anlehnen; wenn
ich einen treffe, von dem ich fantasiere, daß er mich nähren könnte.
dann drohe ich schier verrückt vor Angst und Aufregung zu werden.“
(aus. D.Schnack/R.Neutzling: Der Alte kann mich mal gern haben)
- Mag Robert Krendl -
Mit diesen Worten spricht Dieter Schnack den Zwiespalt vieler Buben
und Männer an: Einerseits diese unstillbare Sehnsucht nach männlicher
Zuwendung, u.a. wenn sie diese vom Vater nicht in ausreichendem
Maße erlebt haben. Andererseits gibt es diese Berührungsangst, diese
Scheu vor Nähe und Bindung, die in vielen Männern verwurzelt ist.
Zuviel Mutter - zuwenig Vater
Nach wie vor entziehen sich viele Väter aus unterschiedlichsten
Gründen ihren Söhnen. Darüber hinaus fehlen in sämtlichen kindlichen
Lebenswelten außerhalb der Familie die Männer, sei es in der Nachbarschaft,
im Kindergarten oder in der Grundschule. Eine männliche Bezugsperson
wäre dringend notwendig zum Spiegeln der emotionalen Regungen des
Buben „als Buben“, ja letztlich zur gelingenden Mannwerdung. Dieses
Vakuum aufzufüllen wäre die dringliche Aufgabe eines Paten, eines
Mentors, eines väterlichen Freundes. Wobei solch eine Begleitung
sowohl für Buben als auch für Jugendliche und Erwachsene notwendig
ist. Wer bietet sich nun für die Rolle eines Mentors an? Ich denke
da u.a. an Lehrer, Therapeuten, Pfarrer, Jungschar- oder Pfadfinderführer
und befreundete männliche Erwachsene. Heranwachsende Männer brauchen
männliche Bezugspersonen, die präsent sind und sich ihnen nicht
entziehen. Diese sollten sich den Jungen in all ihrer Stärke und
Schwäche, in all ihrer Widersprüchlichkeit und Unsicherheit darbieten.
Jungen sind neugierig darauf, Männer im Alltag in neuen Rollen und
neuen Verhaltensweisen zu erleben. Männliche Bezugspersonen sollten
(an)greifbar sein. Nur wenn heranwachsenden Männern eine männliche
Reibungsfläche zur Verfügung steht, können sie sich auf einen gelingenden
Weg zu ihrem Mann-Sein begeben.
Leitbilder
Ein Tip für alle Firmpaten: Wäre es nicht einen Versuch wert, mit
dem Paten„kind“ vor der Firmung ein paar Tage gemeinsam auf „Abenteuer“
zu gehen, mit einem Zelt, zu Fuß oder mit einem Fahrrad, um dem
jungen Mann Lust auf intensives Leben, auf Abenteuer, aufs Zupacken
zu geben. Nebenbei könnten sich sehr viele gute Gespräche ergeben
über das Leben, über Freundschaft, Liebe und Gott. Unsere heranwachsenden
Jugendlichen benötigen so dringend Leitbilder, die Stütze und Orientierung
geben können. Sie brauchen Männer, die ihnen Mut zusprechen. Ein
ehrlich gesagtes „ Das schaffst du“ kann prägend fürs Leben sein.
Sehnsucht nach dem väterlichen Freund
Auch erwachsene Männer haben großes Bedürfnis nach älteren männlichen
Bezugspersonen. Die Freundschaft zu kameradschaftlichen und väterlich-liebevollen
Männern kann helfen, die eigene Männlichkeit in einem positiven
Licht zu erleben und eventuelle Fixierungen auf Frauen aufzubrechen.
Solche Freunde können Stütze und Halt geben, die eigene Männlichkeit
wieder präsenter, kräftiger und einfühlsamer zu erleben. Ich denke,
jeder Mann, der einen anderen Mann seinen väterlichen Freund nennen
darf, hat einen unbezahlbaren Schatz.
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