Der Obmann DI Dr Leopold Wimmer meint
Nationalismus
Die Idee von Nationalstaaten hat in der Geschichte unseres Jahrhunderts
schon viel Leid und Zerstörung bewirkt. Gepaart mit einer übersteigerten
Machtpolitik eines Diktators führt sie derzeit im Kosovo zu einer
der größten humanitären Katastrophen unserer Zeit. Ethnische Säuberung,
wie man diese massenhafte Vertreibung und Ermordung von hunderttausenden
Menschen so verniedlichend nennt, ist wohl einer der krankhaften
Auswüchse des Nationalismus, der besagt, daß in einem Gebiet nur
Menschen mit „gleicher Abstammung“ leben dürfen. Aber wie bestimmt
man dies? Hat nicht überhaupt jeder engstirnige Begriff von Nation
oder gar Rasse immer schon zu scheußlichen Verbrechen gegen Gruppen
von Menschen geführt, die als Fremde bezeichnet wurden? Als Christen
sollte uns zuallererst bewußt sein, daß wir alle den selben Vater
haben, daß vor Gott alle Menschen gleich sind. Wenn ich das ernst
nehme, wie kann ich dem, der neben mir wohnt, das Lebensrecht absprechen
? Wie kann ich jemand wegen seiner Sprache oder seinem Geburtsort
als minderwertig bezeichnen? In der momentanen Katastrophe ist zunächst
unsere Hilfe notwendig. Hilfe für die Menschen, die diesem politischen
Wahnsinn zum Opfer fielen. Helfen wir, so gut wir können! Längerfristig
sollten wir überlegen, wie wir in unserem Land den Ansätzen von
Nationalismus begegnen können. Für mich kommt es nämlich darauf
an, Heimat zu haben, in der Familie, im Kreise von Bekannten und
Freunden ohne jemanden, der in meinem Ort wohnt, der in meiner Firma
arbeitet, ausgrenzen zu müssen. Wehren wir also den Anfängen von
Fremdenfeindlichkeit!
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