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Nö. Juristenmesse, 25. September 2004, Stift Zwettl
Vortrag
von Univ.-Prof. DDr. Paul M. Zulehner,
Institut für Pastoraltheologie der Universität Wien,
im Wortlaut: Die Kirche heute für
die Zukunft bereiten
Pastoraltheologe
Zulehner sieht Chancen für einen Neuaufbruch in der Kirche
Die Zeit für die Kirche sei noch nie so gut wie heute, „wieder
Wertschätzung und neue moralische Autorität zu bekommen“,
sagte der Wiener Pastoraltheologe Univ. Prof. DDr. Paul Michael Zulehner
bei der „Juristenmesse“ des Kath. Akademikerverbandes der
Dözese St. Pölten im Stift Zwettl. Die Kirche könne wieder
einen neuen Aufbruch erleben, prognostizierte er.
Entscheidend sei dabei nicht, dass es keine Irritationen mehr gebe, sondern
dass sie ausreichende Gratifikationen habe, dass Menschen wieder den Weg
mit ihr gehen wollen.
"Es werden genug Menschen den Weg der Kirche mitgehen, wenn diese
den Weg der Menschen geht", wies Zulehner mit Nachdruck hin. Der
Wiener Pastoraltheologe erinnerte in seinen Ausführungen zum Thema
"Die Kirche heute für die Zukunft bereiten" an die wiederholte
Aussage des Papstes, "Der Mensch ist der Weg der Kirche".
Die Kirche brauche eine neue Spiritualisierung und Diakonisierung, betonte
er. Sie müsse spirituell sein durch ihre Orte, Personen und auch
Vorgänge. Menschen suchen Gottesdienste, in denen nicht nur über
Gott geredet werde, sondern in denen sie echte Gotteserfahrung machen
können. Die Kirche müsse in der heutigen "Kultur des Wegschauens"
den Blick wieder mehr auf das Leid der Menschen richten und für die
Armen eintreten. Ihre Spiritualität und die Solidarität mit
den Menschen gehören wesentlich zusammen, unterstrich er.
In seiner Analyse zeichnete Zulehner für die Menschen von heute zwei
wesentliche Herausforderungen: Solidarität und Spiritualität.
Die Gesellschaft sei im Begriffe, sich selbst aufzugeben, sagte er. Pflege
und medizinischer Einsatz bei alten Menschen werden immer teurer. So komme
die Euthanasie immer mehr in Diskussion und es wachse das Bestreben, behindertes
Leben gleichsam zu "ent-sorgen". Zudem seien die Menschen "mit
der Maximierung ihres individuellen Glücks derart beschäftigt,
dass sie keine Energie mehr für Kinder haben", stellte Zulehner
fest.
Doch dem gegenüber gebe es in unserer Gesellschaft auch positive
Ansätze neuer Solidarität. Etwa die Entwicklung des Hospizdienstes,
neue Initiativen mit Behinderten und eine neue Internationalisierung der
Solidarität. Der Religionssoziologe sieht auch eine neue Spiritualisierung
gegen die heutige Tendenz der Diesseitsorientierung und wachsender Lebensangst
aufkommen. Immer mehr Menschen werden sich zunehmend wieder ihrer Innerlichkeit
bewusst und suchen nach Heilung und neuen Gemeinschaften.
Mag.
Hans Pflügl, Pressereferent der Diözese
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