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Diözesanarchiv

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"... Das Diözesanarchiv besteht im Rahmen des bischöflichen Ordinariats als ein Institut mit verwaltungstechnischen, archivpflegerischen und historisch-wissenschaftlichen Aufgaben. Es ist das Archiv für alle bischöflichen Behörden."[1]Daraus sind die Aufgaben und der Wirkungsbereich des Diözesanarchivs deutlich zu ersehen. Dieser erstreckt sich auf alle kirchlichen Institutionen der Diözese, die dem Bischof unterstehen: im wesentlichen die Zentralstellen der Diözesanverwaltung und die Pfarren. Über deren Aktenmaterial obliegt dem Archiv die Aufsicht und archivtechnische Betreuung. Altakten, die in den Kanzleien nicht mehr gebraucht werden, sind zu übernehmen und durch Inventare zu erschließen. Bei Pfarrarchiven ist darauf zu achten, soferne diese nicht vom Diözesanarchiv übernommen werden, daß sie als geschlossener Bestand feuersicher, trocken und in verschließbaren Räumen untergebracht werden[2]. Außerdem ist dem Diözesanarchiv die Diözesanbibliothek zugeordnet, die ungefähr 50 000 Bände umfaßt. Derzeit setzt sich der Personalstand aus drei Personen zusammen, dem Leiter, einer Kanzleikraft, die für die Führung der Archivkanzlei zuständig ist, und einer Kraft für mittleren Dienst, die mit Aushebung und Rückstellung der Archivalien beschäftigt ist. Gemeinsam sorgen sie für die Erfüllung der genannten Aufgaben.

Die Diözese St. Pölten wurde 1785 auf dem Gebiet der Viertel ober dem Wienerwald und ober dem Manhartsberg errichtet, nachdem im Jahr zuvor das Bistum Wiener Neustadt aufgehoben und bestimmt worden war, dessen Bischof hierher zu übersetzen. In den Jahren darauf wurde das Verwaltungsschriftgut bezüglich der Pfarren, die das Bistum Passau zuvor innegehabt hatte, an die neue Diözese abgeliefert. Dieser Bestand ist noch erhalten und stellt einen der wertvollsten des Diözesanarchivs dar, weil er in vielen Fällen bis ins 16. Jhdt. zurückreicht. Die Betreuung des Archivs lag lange Zeit in den Händen des Personals der Konsistorialkanzlei. Erst gegen Ende des 19. Jhdts. wurde erstmals zwischen 1892 und 1896 mit Alois Kastner ein eigener "Consistorialarchivar" angestellt. Das Amt blieb nach seinem Abgang unbesetzt, obwohl das Aktenmaterial immer mehr anwuchs. Daher wurde im Jahr 1910 der historisch interessierte Pfarrer von Kleinpöchlarn, Alois Plesser, mit einer Reorganisation und Neuordnung des Archivs beauftragt, die dieser im folgenden Jahr abschloß. Nachdem das Archiv zwischen 1940 und 1942 von Domkurat Josef Wodka betreut worden war, wurde dessen Arbeit kriegsbedingt unterbrochen, so daß er seine geplanten Ordnungsvorhaben nicht realisieren konnte. Erst im Jahr 1959 wurde begonnen, das Archiv, das in der Zwischenzeit wieder beachtliche Aktenmengen aufgenommen hatte, grundlegend zu reorganisieren. Dafür konnte der damals im nö. Landesarchiv beschäftigte Gerhard Winner gewonnen werden, der als "lebendige Subvention" des Landes die Neuordnung und Neuaufstellung zwischen 1959 und 1961 durchführte[3]. Mit 1. Juli 1961 wurde er als Leiter des Diözesanarchivs, das nunmehr ein selbständiges Institut mit eigenem Statut im Rahmen des bischöflichen Ordinariats geworden war, angestellt[4]

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Bewahren

Wie aus der Geschichte des Diözesanarchivs zu ersehen ist, war es zuerst nur als Archiv für die Behörden der bischöflichen Kurie gedacht. Mit der Anstellung von Gerhard Winner im Jahr 1961 wurden neue Wege beschritten, indem man auch den Wert der Pfarrarchive erkannte und begann, diese nach Willen und Möglichkeit im Diözesanarchiv sicherzustellen[5]. Bisher wurden ca. 270 Archive geordnet, von denen ungefähr 220 unter Wahrung des Eigentumsrechts im Diözesanarchiv deponiert sind. Dieser Zusammenschluß der Pfarrarchive bietet der historischen Forschung völlig neue Möglichkeiten; zum einen, weil diese nun zu bestimmten Zeiten geregelt zugänglich und durch entsprechende Inventare erschlossen sind, zum anderen, weil nun ohne größere organisatorische Probleme Forschungen, die auf mehrere Pfarren übergreifen, durchgeführt werden können, wie etwa demographische Entwicklung, Volksfrömmigkeit, politische, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche, mentalitätsgeschichtliche Entwicklungen einer ganzen Region und vieles mehr. Außerdem stehen dem Forscher im Diözesanarchiv gut ausgebildete Fachkräfte beratend zur Seite. Bleibt ein Pfarrarchiv in der Pfarre, wird es ebenfalls durch die Mitarbeiter des Diözesanarchivs geordnet, inventarisiert und an einem sicheren Ort untergebracht. Stark beschädigte Archivalien werden aus den Mitteln des Diözesanarchivs durch eine Restaurierwerkstätte restauriert; kleinere Reparaturen werden durch einen Mitarbeiter des Archivs durchgeführt. Seit Amtsantritt von Gerhard Winner werden auch die Pfarrmatriken verfilmt, um die in ihnen enthaltenen Personaldaten zu sichern. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden die Kirchenbücher von 310 Pfarren verfilmt; das Projekt wird weitergeführt.

Außerdem ist das Diözesanarchiv für die sichere Verwahrung historischer Bestände von Pfarrbibliotheken zuständig; darunter werden generell Bücher aus der Zeit vor 1850 und geschlossene Bestände von hohem geistesgeschichtlichen Wert verstanden. Hat eine Pfarre nicht die Möglichkeit, ihre alten Bücher sorgsam zu verwahren, können diese vom Diözesanarchiv unter Wahrung des Eigentumsrechts für die Diözesanbibliothek übernommen werden. Die Erschließung erfolgt mittels eines modernen Computerprogramms, das mit jenen anderer großer Bibliotheken kompatibel ist.

Das Diözesanarchiv versteht sich als Partner aller kirchlichen Archive in der Diözese und strebt mit diesen eine gute und intensive Zusammenarbeit an; sei es durch gezielte Hilfestellungen bei archivtechnischen Problemen, der Erforschung bestimmter Themengebiete oder der Erschließung von Archivbeständen. Im Zuge dieser Tätigkeit wurden von Diözesanarchivar Winner die Archive der Stifte Lilienfeld, Zwettl und Melk geordnet und inventarisiert.

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Erschließen

Sind die Archivbestände "bewahrt", kommt es zur zweiten großen Aufgabe des Diözesanarchivs, zu ihrer Erschließung. Ein ausführliches Inventar mit der Geschichte der einzelnen Behörden und ihrer Bestände legte Winner 1962 nach Abschluß seiner Neuordnung in gedruckter Form vor[6]. Außer genauen Auflistungen der einzelnen Aktengruppen bietet dieses ausführliche Regesten zur ca. 1500 Stück umfassenden Urkundenreihe, die mit dem Jahr 1284 einsetzt. Ein handschriftlich geführtes Ergänzungsinventar erfaßt laufend die neu übernommenen Bestände. Die Pfarrarchive werden ebenso genau und exakt in entsprechenden Inventaren erschlossen. Diese enthalten im wesentlichen sechs Abschnitte: eine kurze Geschichte der Pfarre, die wichtigste Literatur, das Inventar bestehend aus Urkunden, Büchern und Akten, und eine Auflistung von Bezugsbeständen in anderen Archiven. Dadurch wird nicht nur die Benützung des Pfarrarchivs selbst erleichtert, sondern auch die Erforschung der Pfarre allgemein. Diese Inventare existieren in drei Ausfertigungen, von denen eine die Pfarre selbst, eine das Diözesanarchiv und eine das nö. Landesarchiv verwahrt.

Außerdem ist das Diözesanarchiv mit der Erschließung von Quellen beschäftigt, die von ihrem Aufbewahrungsort her zwar nicht in seinen unmittelbaren Zuständigkeitsbereich fallen, durch ihren Inhalt aber für die Diözesangeschichte interessant sind. Vornehmlich wurden bisher die Diplome einiger Klöster durch Regesten erschlossen. Die Urkunden des Stiftes Lilienfeld wurden 1974 publiziert[7], weitere unveröffentlichte Urkundenbücher zu Säusenstein, Zwettl und St. Pölten 3 (ab 1400 mit Nachträgen) liegen in Manuskriptform im Diözesanarchiv auf; an ihre Publikation ist in den nächsten Jahren gedacht. In letzter Zeit wurden einige Urkunden für das Stift Herzogenburg regestiert. Weiters ist an die Edition verschiedener, für die Diözesangeschichte bedeutender Quellen gedacht. Derzeit wird an der Transkription der Pfarrgeschichten des Viertels ober dem Wienerwald der Buchstaben K bis Z von Alois Plesser als Fortsetzung der Geschichtlichen Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt, und der Edition eines Rechnungsbuchs der Kartause Aggsbach aus dem frühen 15. Jhdt. gearbeitet[8]. Die Publikation solcher Studien wird nach Abschluß der Arbeiten an den Geschichtlichen Beilagen in der archiveigenen Reihe "Beiträge zur Kirchengeschichte Niederösterreichs" erfolgen. Neben eigenen Unternehmungen und Projekten will das Diözesanarchiv durch Beratung und entsprechende Hilfestellungen in der Erschließung weiterer Quellen auch für andere anregend wirken.

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Erforschen

Der im Statut des Diözesanarchivs verankerte historisch-wissenschaftliche Auftrag soll auf mehreren Ebenen wahrgenommen werden: durch die eigenständige Abfassung von Artikeln und Monographien zur Diözesangeschichte, durch die Förderung und Beratung von Forschern aus verschiedensten Sparten, die auf diesem Gebiet arbeiten, und durch Öffnung der Archivbestände für Benützer mit historischen Interessen.

Diözesanarchivar Winner verfaßte in seiner Amtszeit sechs Monographien, von denen die Arbeit über die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien (1967) die wohl bekannteste ist[9], 27 Aufsätze in verschiedensten Zeitschriften und elf Rezensionen.

Forscher mit wissenschaftlichem Interesse werden vom Diözesanarchiv bei der Auffindung von Quellen und deren Bearbeitung unterstützt. Um Arbeiten zur Diözesangeschichte verstärkt zu fördern und zu intensivieren, wurde im Herbst 1995 ein Historischer Arbeitskreis eingerichtet. Dieser soll ein Forum der kirchenhistorischen Forschung in der Diözese St. Pölten sein. Jährlich finden sechs bis acht Treffen statt, bei denen die Teilnehmer durch Referate qualifizierter Wissenschaftler angeregt und weitergebildet werden, und aktuelle Probleme der Forschungstätigkeit der einzelnen Teilnehmer, sei es bei fachspezifischen Fragen oder der Benützung bestimmter Archive, zur Sprache kommen sollen. Der Arbeitskreis ist völlig zwanglos organisiert, so daß eine formale Mitgliedschaft nicht nötig und die Teilnahme an keinerlei Bedingungen gebunden ist. Interessenten sind herzlich willkommen.

Durch geregelte Öffnungszeiten von Montag bis Donnerstag, 8.30-12.00 Uhr und 13.00-16.00 Uhr steht der Lesesaal des Archivs, der insgesamt acht Personen Platz bietet, den Forschern offen. Pro Tag können pro Person maximal sechs Stück Archivalien ausgehoben werden, die nur zu den dafür bestimmten Zeiten zwischen 8.30 und 9.30 Uhr, und zwischen 13.00 und 14.00 Uhr ausgegeben werden.

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[1] Statut für das Diözesanarchiv, in: Diözesansynode St. Pölten, 2. Teil, Ordnungen und Statuten (St. Pölten 1963) 134.

[2]Vgl. Gerhard Winner, Das Diözesanarchiv St. Pölten. Behörden und Institutionen. Ihre Geschichte und ihre Bestände (St. Pölten 1962) 19.

[3]Vgl. Friedrich Schragl und Thomas Aigner, Nachruf auf Gerhard Winner. In: Hippolytus NF 21 (1997) 57-58; Alfred Wendehorst, Nachruf auf Gerhard Winner. In: MIÖG 104 (1996) 508-509.

[4] Ebenda 11-20.

[5]Vgl. Gerhard Winner, Über niederösterreichische Pfarrarchive und die Quellenlage für Pfarrgeschichten der neuesten Zeit. In: UH 45 (1974) 24-39; Thomas Aigner, Pfarrarchive im Diözesanarchiv. In: Hippolytus NF 21 (1997) 51-52.

[6]Vgl. Anm. 2.

[7]Die Urkunden des Zisterzienserstiftes Lilienfeld, bearb. von Gerhard Winner (=FRA II/81, Wien 1974).

[8]Vgl. Thomas Aigner, Aggsbacher Rechnungsbuch. In: Hippolytus NF 21 (1997) 53; ders., Fortsetzung der Geschichtlichen Beilagen. In: Hippolytus NF 21 (1997) 51.

[9]Gerhard Winner, Die Klosteraufhebungen in Niederösterreich und Wien (=Forschungen zur Kirchengeschichte Österreichs 2, Josephin. Abteilung, ed. Ferdinand Maas, Wien 1967).